EssilorLuxottica will mehr sein als ein Brillenhersteller. Der Konzern baut sich radikal zum Medizintechnik-Spezialisten um. Bisher honoriert die Börse diesen Wandel kaum. Die Strategie zielt auf eine völlig neue Zielgruppe ab.

Fokus auf klinische Diagnostik

Das Unternehmen forciert den Einstieg in die Medizintechnik durch gezielte Akquisitionen. Mit der Übernahme von 80 Prozent an Heidelberg Engineering sicherte sich die Gruppe wichtiges Know-how. Das Fachgebiet umfasst hochpräzise Bildgebung und IT-Lösungen für die Augenheilkunde. Dieser Schritt soll EssilorLuxottica zum führenden Anbieter für klinische Augenuntersuchungen machen.

Die Gruppe drängt parallel dazu massiv in den Markt für Hörlösungen. Nach dem Start in den USA folgt nun die Expansion nach Kanada. Das neue Produkt „Nuance Audio“ kombiniert eine klassische Sehkorrektur mit einer integrierten, unsichtbaren Hörunterstützung. Die Zielgruppe ist groß: Weltweit leiden Millionen Menschen unter leichtem bis moderatem Hörverlust.

Kampf um den Boden

An der Börse hinterlässt der Umbau noch keine positiven Spuren. Die Aktie notiert bei 165,55 Euro und damit gefährlich nah am Jahrestief von 160,60 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein sattes Minus von fast 39 Prozent in den Büchern.

Der Kurs kämpft derzeit um Stabilität. Momentan notiert das Papier deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von etwa 230 Euro. Erst eine Rückkehr über die 50-Tage-Linie bei gut 171 Euro würde das Chartbild kurzfristig aufhellen.

Neben der Medizintechnik setzt die Gruppe weiterhin auf starke Markenpflege. Die Integration der Streetwear-Marke Supreme soll gezielt jüngere Käuferschichten binden. Diese Diversifizierung dient als Puffer gegen modische Schwankungen im traditionellen Brillengeschäft.

Frische Impulse könnten im September folgen. Das Management plant die Vorstellung der zweiten Generation seiner Hörbrillen. Dieser Termin gilt als wichtiges Signal für den Erfolg des neuen Ökosystems aus Vorsorgetechnik und smarten Wearables.