Vor dem Beginn formeller Gespräche über einen Einstieg beim italienischen Modehaus Armani zeichnet sich ein zähes Ringen um den Preis ab. Laut der Financial Times nimmt die Armani-Gruppe in den kommenden Wochen offizielle Verhandlungen mit EssilorLuxottica, L’Oréal und LVMH über den Verkauf eines 15-prozentigen Aktienpakets auf.

Der im September 2025 verstorbene Modeschöpfer Giorgio Armani hatte die drei Konzerne in seinem Testament als bevorzugte Minderheitsinvestoren benannt. Für EssilorLuxottica geht es dabei um die langfristige Absicherung wichtiger Luxusmarkenrechte.

Diskrepanz bei der Unternehmensbewertung

Die Verhandlungspositionen liegen finanziell weit auseinander. Während unternehmensnahe Quellen den Gesamtwert von Armani auf rund zehn Milliarden Euro beziffern, taxieren potenzielle Investoren das Modehaus auf lediglich drei bis sieben Milliarden Euro.

Eine Transaktion von 15 Prozent der Anteile würde demnach zwischen 450 Millionen und 1,5 Milliarden Euro kosten. Im Jahr 2025 erzielte Armani einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 2,8 Prozent entspricht, während der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 3,2 Prozent auf 153 Millionen Euro stieg.

Der Zeitplan für den Einstieg gerät unterdessen unter Druck. Das Testament sieht einen Verkauf innerhalb von 12 bis 18 Monaten nach dem Ableben des Gründers vor. Laut Berichten könnte sich der Prozess jedoch über den März 2027 hinaus verzögern.

Wie Armani-Chef Giuseppe Marsocci mitteilte, kann die Quote von 15 Prozent auch auf mehrere Partner aufgeteilt werden. Die Armani-Stiftung muss dabei stets mindestens 30,1 Prozent des Kapitals behalten. Sollten die Verhandlungen mit den drei Favoriten scheitern, gilt ein Börsengang als mögliche Ausweichoption.

Langfristige Lizenz und Kapitalmaßnahmen

Für EssilorLuxottica besitzt die Beteiligungsoption strategisches Gewicht. Der Brillenkonzern hält die weltweite Armani-Lizenz bis zum Jahr 2038, während L’Oréal die Kosmetik- und Parfümrechte bis 2050 kontrolliert.

Parallel zu den Vorbereitungen auf die anstehenden Verhandlungen stützt EssilorLuxottica den eigenen Kurs: Am 21. September erwarb der Konzern im Rahmen seines Rückkaufprogramms 74.083 eigene Aktien zu einem Durchschnittspreis von 140,33 Euro.

Das operative Umfeld bleibt anspruchsvoll. Vor gut einer Woche stand noch die Erweiterung der Kooperation bei vernetzten Brillen im Mittelpunkt der Marktbeobachter. Am gestrigen Montag gewann die EssilorLuxottica-Aktie 2,0 Prozent und schloss bei 147,85 Euro.

Seit Jahresanfang steht dennoch ein Kursverlust von 45 Prozent zu Buche. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob der Konzern bereit ist, für den Ausbau seiner Modepartnerschaften die geforderten Bewertungsaufschläge zu zahlen.