Die Aussicht auf Notreserven aus europäischen Lagern drückt die Ölpreise wieder unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Europäische Regierungen beraten über einen Vorstoß aus Paris, um die angespannte Lage an den Kraftstoffmärkten zu entschärfen. Vorausgegangen war massiver Druck aus Washington, wo teurer Treibstoff vor den anstehenden Kongresswahlen die Politik alarmiert.
Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich am Freitagvormittag um über drei Prozent auf 99,20 Dollar. Das US-Leichtöl WTI verlor rund vier Prozent auf 89,07 Dollar.
Paris schlägt Notfallpaket vor
Der französische Plan sieht vor, dass europäische Staaten 50 Millionen Barrel Diesel auf den Markt bringen. Parallel dazu sollen die Mitglieder der Internationalen Energieagentur weitere 50 Millionen Barrel Rohöl bereitstellen. Bereits im März 2026 hatten die 32 IEA-Mitgliedsstaaten wegen des Kriegs mit dem Iran 400 Millionen Barrel freigegeben.
Europäische Regierungen knüpfen eine Freigabe allerdings an eine klare Bedingung. Washington müsse verbindlich zusichern, auf ein einseitiges Exportverbot für Diesel zu verzichten. Die US-Regierung hatte zuvor von Partnern wie Frankreich und Deutschland verlangt, binnen 20 Tagen 100 Millionen Barrel bereitzustellen.
Washington droht mit Exportverbot
In den USA treiben die hohen Spritpreise die Debatte. Ende September kletterte der durchschnittliche Dieselpreis dort auf den Rekordwert von 6,50 Dollar je Gallone. Präsident Donald Trump stellte daraufhin ein Ausfuhrverbot in den Raum, um das heimische Angebot vor den Wahlen am 3. November zu stützen.
Ein solcher Schritt würde Europa empfindlich treffen. Rund die Hälfte der europäischen Dieselimporte stammte im August aus den Vereinigten Staaten. Neben den Folgen des Kriegs belasten ein russischer Exportbann nach Raffinerieschäden sowie chinesische Exportstopps das weltweite Angebot.
Ob Notreserven die Lage an den Zapfsäulen dauerhaft beruhigen, bezweifeln Marktbeobachter. Entscheidend für eine Entspannung bleibt der Ölfluss durch die Straße von Hormus, wo sich die täglichen Schiffstransporte zuletzt wieder auf das Vorkriegsniveau erholt haben. Klarheit über die geplante Freigabe und einen Verzicht auf US-Ausfuhrbeschränkungen soll ein Treffen der G7-Staatschefs bringen.


