Europas Chemiekonzerne könnten bald vor der Konkurrenz aus Fernost geschützt werden. Beim anstehenden EU-Gipfel in Brüssel am Donnerstag und Freitag stehen Handelsbeschränkungen gegen chinesische Einfuhren chemischer Erzeugnisse im Raum. An der Börse sorgte das bereits am Mittwoch für Kursgewinne bei deutschen Branchengrößen.
Besonders kräftig zogen die Papiere von Lanxess an, die um vier Prozent zulegten. BASF verzeichnete ein Plus von 1,6 Prozent, während Evonik um ein Prozent stieg.
Berlin drängt auf Gegenmaßnahmen
Hinter der Initiative steht vor allem die Bundesregierung. Sie fordert konkrete Schritte der Europäischen Union, um heimische Betriebe vor staatlich gestützten Einfuhren abzuschirmen. Neben der Chemieindustrie stehen dabei auch der Maschinenbau sowie Teile der Pharmabranche im Fokus der politischen Diskussion.
Einen Präzedenzfall gibt es bereits: Kürzlich einigten sich die Europäische Union und Peking grundsätzlich darauf, den Import chinesischer Hybridautos in den europäischen Markt zu begrenzen.
Lehren aus der Reifenbranche
Dass Investoren bereits vor einer politischen Einigung zugreifen, folgt Erfahrungen aus früheren Handelskonflikten. Analysten der US-Bank Jefferies verweisen auf eine zwölfmonatige EU-Untersuchung zu chinesischen Reifenimporten, deren Marktanteil von 18 auf 28 Prozent gestiegen war.
Während dieses Prüfverfahrens kletterten die Aktienkurse europäischer Reifenhersteller um 34 Prozent. Nach der Vorlage der offiziellen Ergebnisse bauten die Papiere ihre Gewinne weiter aus.
Sollte der Gipfel in Brüssel am Donnerstag und Freitag den Weg für entsprechende Schutzmaßnahmen ebnen, erhielten die europäischen Hersteller eine direkte handelspolitische Flankierung gegen den Preisdruck aus Fernost.
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