Der Euro verliert spürbar an Boden gegenüber der US-Währung. Grund für die anhaltende Schwäche ist vor allem der starke US-Dollar, den steigende Ölpreise, anziehende Anleiherenditen und erneute Spekulationen auf Zinserhöhungen der Federal Reserve antreiben. Am Donnerstagnachmittag rutschte die Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,1266 Dollar ab — das niedrigste Niveau seit Mai 2025.
Damit setzt sich die Talfahrt der vergangenen Wochen fort. Seit Ende August hat der Euro rund 3 Cent gegenüber dem Dollar eingebüßt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1298 Dollar fest, nachdem er am Vortag noch bei 1,1355 Dollar gelegen hatte.
Zinserwartungen in den USA treiben die Leitwährung
Hinter der Dollar-Stärke stehen handfeste Inflationssorgen. Wieder anziehende Ölpreise heizen die Befürchtung an, dass der Preisdruck in den Vereinigten Staaten zäh bleibt. Marktbeobachter rechnen deshalb vermehrt damit, dass die Fed ihren geldpolitischen Straffungskurs weiter fortsetzen könnte.
Gleichzeitig sorgten kräftig gestiegene Renditen an den Anleihemärkten für zusätzliche Nachfrage nach dem Greenback. Wenn festverzinsliche US-Papiere attraktivere Erträge abwerfen, zieht dies internationales Kapital an und setzt Gegenwährungen wie den Euro unter Verkaufsdruck.
Industrieaufschwung stützt nur bedingt
Dabei fallen die wirtschaftlichen Signale aus dem Euroraum derzeit keineswegs schwach aus. Die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone erreichte im September den besten Wert seit über vier Jahren. Nach Einschätzung von S&P-Chefvolkswirt Chris Williamson hat sich das Wachstum in der gesamten Industrie verbessert und mittlerweile alle Länder der Währungsunion erfasst.
Allerdings verpufften diese positiven Konjunktursignale am Devisenmarkt weitgehend. Das globale Zinsumfeld und die Entwicklungen an den Energiemärkten überlagern derzeit die heimischen Stimmungsdaten.
Konkrete Hinweise auf den weiteren Zinspfad der Fed liefern die US-Arbeitsmarktdaten. Neben den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und der Beschäftigungskomponente des ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe steht der offizielle Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag im Mittelpunkt. Bleibt der amerikanische Stellenaufbau robust, dürfte das die Argumente für anhaltend restriktive Zinsen stützen.


