Der Euro gerät zu Wochenbeginn gegenüber dem US-Dollar ins Hintertreffen. Höhere Ölpreise schüren neue Zinsspekulationen in den USA und treiben die amerikanische Währung an, während die Europäische Zentralbank vorerst keinen Handlungsdruck sieht. Am Montagnachmittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1357 Dollar und damit schwächer als noch im Frühhandel.
Die EZB setzte den offiziellen Referenzkurs zu Wochenbeginn auf 1,1378 Dollar fest, nachdem er am Freitag bei 1,1403 Dollar gelegen hatte. Der Gegenwert eines Dollars belief sich damit auf 0,8788 Euro.
Teures Öl schürt Zinsspekulationen
Ausschlaggebend für die Kursbewegung sind steigende Energiepreise. Rohöl verteuerte sich zu Beginn der Woche deutlich. Hintergrund ist die geopolitische Lage im Nahen Osten: US-Präsident Donald Trump wies am Samstag einen Vorschlag des Iran zurück, der eine Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus vorsah. Marktbeobachter führen den Preissprung bei Rohöl auf diese Ablehnung zurück. Mit den Energiepreisen klettern auch die US-Inflationserwartungen, was Spekulationen auf weiter steigende Leitzinsen in den USA neue Nahrung gibt.
EZB sieht keine Zweitrundeneffekte
In der Eurozone wird die Lage anders bewertet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments klar, dass sie derzeit keine Anhaltspunkte für eine längerfristig erhöhte Teuerung sieht. Zwar stellt sich die Notenbank wegen der teuren Energie auf einen spürbareren Preisauftrieb ein, eine Verfestigung der Inflation zeichne sich jedoch nicht ab. Es gebe bislang keine Belege dafür, dass die höheren Energiekosten auf die Löhne überspringen.
Solange dieser Lohndruck im Euroraum ausbleibt, hält die EZB an ihrer Haltung fest. Für den Euro bedeutet das vorerst Gegenwind: Die Aussicht auf eine anhaltend straffe Zinspolitik der Federal Reserve bei gleichzeitiger Zurückhaltung in Frankfurt stützt die Attraktivität der US-Währung.


