Der Aufschwung nach den US-Parlamentswahlen währte für die europäische Gemeinschaftswährung nur kurz. Am Donnerstag fiel der Euro im Handel wieder zurück und gab einen Großteil seiner jüngsten Zuwächse gegenüber dem US-Dollar ab. Marktteilnehmer nahmen nach dem Wahlerfolg der US-Demokraten Gewinne mit, während neue Konjunkturdaten aus Deutschland nicht für zusätzliche Dynamik sorgten.
Am Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1217 Dollar, nachdem sie im frühen Handel noch spürbar höher gelegen hatte. Die Europäische Zentralbank setzte den offiziellen Referenzkurs auf 1,1224 Dollar fest, nach 1,1267 Dollar am Vortag.
Deutsche Industriedaten ohne Marktwirkung
Die am Donnerstag veröffentlichten deutschen Industriedaten änderten an diesem Trend wenig. Die Betriebe verzeichneten im September zwar mehr Aufträge und glichen damit den schwachen Vormonat teilweise aus, bewegten den Devisenmarkt jedoch kaum. Volkswirte hatten diese Entwicklung weitgehend in diesem Rahmen erwartet.
Analyst Marc Schattenberg von der Deutschen Bank bezeichnete den Zuwachs als Lichtblick für das Verarbeitende Gewerbe, getragen vor allem von mehr Bestellungen in der Automobilindustrie. Schattenberg verwies auf das vorhandene Auftragspolster in vielen Industriezweigen und sieht darin das Fundament für eine baldige Erholung der deutschen Industrie gelegt. Für den Devisenmarkt reichte diese Perspektive kurzfristig allerdings nicht aus, um der Gemeinschaftswährung neuen Auftrieb zu verleihen.
Währungsmärkte blicken auf Geopolitik
Parallel dazu fand auch das britische Pfund trotz einer Zinserhöhung keinen Halt. Die Bank of England hob ihren Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 4,00 Prozent an. Notenbankchef Andrew Bailey betonte jedoch, dass dieser Schritt weder der Beginn einer langen Straffungsserie noch zwangsläufig das Ende sei. Solange der Konflikt im Nahen Osten ungelöst bleibe, hänge das künftige Vorgehen direkt vom weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen rund um den Iran ab.
Die Devisenmärkte bleiben damit im Spannungsfeld zwischen der veränderten politischen Mehrheitslage in Washington und den geopolitischen Belastungen im Nahen Osten. Während die Niederlage der US-Republikaner dem Euro nur eine kurze Atempause verschaffte, richtet sich der Blick der Händler nun darauf, ob die Auftragseingänge der Industrie im Herbst ausreichen, um den wirtschaftlichen Boden in der Eurozone nachhaltig zu festigen.


