Nach wochenlangem Abwärtstrend fasst die europäische Gemeinschaftswährung wieder Tritt. Am Dienstag kletterte der Euro im US-Handel auf 1,1201 Dollar und überwand damit wieder eine wichtige runde Marke. Den Impuls für die Erholung lieferten Signale aus den Reihen der US-Notenbank, die den Zinserwartungen an den Dollar engere Grenzen setzten.
Marktbeobachter sprachen von einer leichten Gegenbewegung. In den vorangegangenen Wochen hatte die Währung spürbar nachgegeben. In der vergangenen Woche war der Kurs erstmals seit rund eineinhalb Jahren unter das Niveau von 1,12 Dollar gerutscht.
Seit Beginn des jüngsten Trends im September verlor die Gemeinschaftswährung rund vier bis fast fünf Cent. Der Verkaufsdruck rührte aus zwei Richtungen: Spekulationen über weiter steigende Zinsen in den USA trieben den Dollar an. Parallel dazu belasteten Sorgen um die Staatsfinanzen Frankreichs den Euro.
Fed-Geldpolitiker dämpft Zinserwartungen
Die Wende im Tagesverlauf brachten Äußerungen aus den Vereinigten Staaten. John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank von New York, steckte klarere Grenzen für die Geldpolitik ab. Zwar hält er in diesem Jahr wegen der hohen Teuerung noch eine weitere Zinserhöhung für angemessen. Für das Jahr 2027 hält der Währungshüter jedoch keinen erneuten Zinsschritt mehr für notwendig.
Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstag zuvor auf 1,1188 Dollar festgesetzt, nach 1,1181 Dollar am Vortag. Der Dollar kostete damit 0,8938 Euro.
Für den weiteren Verlauf am Devisenmarkt gewinnt die Zinsdebatte in den USA damit an Gewicht. Sollte sich die Erwartung durchsetzen, dass im laufenden Jahr lediglich noch eine einzige Anhebung folgt und der Zinszyklus danach ausläuft, verliert der Dollar einen wesentlichen Treiber seiner jüngsten Stärke.


