Warum verharrt der Euro unter der Marke von 1,12 Dollar, obwohl die Zinstrends in den USA eigentlich für die Gemeinschaftswährung sprechen? Die Ursache liegt in Europa selbst. Wachsende Sorgen über die Schuldentragfähigkeit Frankreichs belasten den Wechselkurs. Am Vormittag notierte der Euro mit 1,1186 Dollar nur wenig verändert zum Vorabend.
Dahinter steckt keine allgemeine Dollar-Stärke. Das erwartete Zinsdifferenzial zwischen dem Euroraum und den Vereinigten Staaten entwickelte sich in den vergangenen Tagen sogar zugunsten der europäischen Währung. Einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve im Oktober wird an den Märkten inzwischen eine geringere Wahrscheinlichkeit beigemessen als noch in der Vorwoche. Ein solches Umfeld stützt üblicherweise den Euro.
Politische Zweifel in Paris belasten
Der Gegenwind kommt aus Frankreich. Die vorgestellten Haushaltspläne von Marine Le Pen, die in den aktuellen Präsidentschaftsumfragen führt, brachten den Finanzmärkten lediglich eine kurze Atempause. Ihre gleichzeitige Forderung an die Europäische Zentralbank, durch Interventionen größeren fiskalischen Spielraum für die Euroländer zu schaffen, schürte bei Marktbeobachtern neue Skepsis hinsichtlich der Haushaltsdisziplin.
Schwache Wirtschaftsdaten aus anderen Teilen der Währungsunion traten daneben in den Hintergrund. Die deutschen Warenausfuhren sanken kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent auf einen Wert von 137,6 Milliarden Euro, ohne den Devisenmarkt nennenswert zu bewegen. Mangels weiterer potenziell marktbewegender Konjunkturdaten am Donnerstag bleibt die französische Finanzpolitik der bestimmende Faktor für den Wechselkurs.


