Europäischer Gaspreis klettert über 100 Euro

Militärische Unsicherheit am Persischen Golf und deutsche Zukäufe für die Winterreserven treiben den europäischen Gaspreis nach oben.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • TTF-Kontrakt am Mittwoch um 4,12 Prozent gestiegen
  • Gaspreis erstmals seit 2022 über 100 Euro
  • Deutsche Speicher zu mehr als 61 Prozent gefüllt
  • Vorjahresfüllstand lag bei etwa 75 Prozent

Der europäische Erdgaspreis hat erstmals seit dem Jahr 2022 wieder die Marke von 100 Euro überschritten. Verantwortlich für diesen Anstieg sind wachsende militärische Risiken im Nahen Osten und staatliche Zukäufe vor dem Winter. An der Börse in Amsterdam kletterte der richtungweisende Terminkontrakt TTF am Mittwoch um 4,12 Prozent.

Drohende Eskalation im Nahen Osten

Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der Konflikt mit dem Iran. Die Vereinigten Staaten haben mehrere Staaten am Persischen Golf aufgefordert, sich auf einen Militäreinsatz gegen Teheran vorzubereiten. Zunehmende Hinweise deuten darauf hin, dass die USA und Israel eine neue Phase intensiver Kampfhandlungen planen. US-Präsident Donald Trump hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, neigt jedoch zu einem umfangreichen Angriff nach den Wahlen am 3. November.

Die Sorge vor Lieferausfällen trifft auf einen Markt, der sich bereits seit Monaten verteuert. Seit Beginn des Jahres hat sich der Preis für den Rohstoff mehr als verdreifacht. Zu Monatsbeginn lag die Notierung noch bei 70 Dollar. Zwar war Erdgas zu Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 mit über 300 Euro noch deutlich teurer, das aktuelle Niveau signalisiert jedoch eine spürbare Belastung für Verbraucher und Industrie.

Schleppender Aufbau der deutschen Gasreserven

Parallel dazu heizen nationale Maßnahmen die Nachfrage an. Deutschland bemüht sich als größte europäische Volkswirtschaft seit Wochen, die Bestände vor dem Winter zügig auszubauen. Im vergangenen Monat wurde das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicher zu beschaffen.

Der Grund für das staatliche Eingreifen ist ein deutlicher Rückstand gegenüber den Vorjahren. Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu mehr als 61 Prozent gefüllt, während der Füllstand vor einem Jahr noch bei etwa 75 Prozent lag. Die Kombination aus politischer Unsicherheit am Golf und dem Zwang zur zügigen Einspeicherung hält den Druck auf die Preise vor Beginn der Heizperiode hoch.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.