Der europäische Erdgaspreis hat erstmals seit dem Jahr 2022 wieder die Marke von 100 Euro überschritten. Verantwortlich für diesen Anstieg sind wachsende militärische Risiken im Nahen Osten und staatliche Zukäufe vor dem Winter. An der Börse in Amsterdam kletterte der richtungweisende Terminkontrakt TTF am Mittwoch um 4,12 Prozent.
Drohende Eskalation im Nahen Osten
Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der Konflikt mit dem Iran. Die Vereinigten Staaten haben mehrere Staaten am Persischen Golf aufgefordert, sich auf einen Militäreinsatz gegen Teheran vorzubereiten. Zunehmende Hinweise deuten darauf hin, dass die USA und Israel eine neue Phase intensiver Kampfhandlungen planen. US-Präsident Donald Trump hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, neigt jedoch zu einem umfangreichen Angriff nach den Wahlen am 3. November.
Die Sorge vor Lieferausfällen trifft auf einen Markt, der sich bereits seit Monaten verteuert. Seit Beginn des Jahres hat sich der Preis für den Rohstoff mehr als verdreifacht. Zu Monatsbeginn lag die Notierung noch bei 70 Dollar. Zwar war Erdgas zu Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 mit über 300 Euro noch deutlich teurer, das aktuelle Niveau signalisiert jedoch eine spürbare Belastung für Verbraucher und Industrie.
Schleppender Aufbau der deutschen Gasreserven
Parallel dazu heizen nationale Maßnahmen die Nachfrage an. Deutschland bemüht sich als größte europäische Volkswirtschaft seit Wochen, die Bestände vor dem Winter zügig auszubauen. Im vergangenen Monat wurde das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicher zu beschaffen.
Der Grund für das staatliche Eingreifen ist ein deutlicher Rückstand gegenüber den Vorjahren. Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu mehr als 61 Prozent gefüllt, während der Füllstand vor einem Jahr noch bei etwa 75 Prozent lag. Die Kombination aus politischer Unsicherheit am Golf und dem Zwang zur zügigen Einspeicherung hält den Druck auf die Preise vor Beginn der Heizperiode hoch.


