Die Unternehmen im STOXX Europe 600 könnten im dritten Quartal 2026 ihre Gewinne um 21% gegenüber dem Vorjahr steigern. Das erwarten die von LSEG I/B/E/S erfassten Analysten. Hinter dem kräftigen Zuwachs steht allerdings vor allem der Energiesektor. Die Berichtssaison muss deshalb nicht nur die Höhe des Wachstums bestätigen, sondern auch zeigen, wie breit die Verbesserung tatsächlich ausfällt.
Gewinnwachstum mit deutlichen Unterschieden
Reuters berichtete am Freitag über die LSEG-Schätzungen. Eine Woche zuvor hatten die Analysten noch einen Gewinnanstieg von 19,4% erwartet. Die Aufwärtsrevision spricht für gestiegene Erwartungen unmittelbar vor den Ergebnisveröffentlichungen. Gemeldete Unternehmensergebnisse sind diese Prognosen noch nicht.
Ohne den Energiesektor rechnen die Analysten mit einem Gewinnplus von 9,7%. Für die Umsätze sämtlicher Indexunternehmen erwarten sie einen Anstieg um 10,6%. Damit deutet der Konsens auch außerhalb der Energiebranche auf Wachstum hin. Dessen Tempo liegt jedoch deutlich unter der Prognose für den Gesamtindex.
Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein starker aggregierter Gewinnanstieg bedeutet nicht automatisch, dass sich die Geschäftslage über alle Branchen hinweg gleichermaßen verbessert. Die Zusammensetzung des Wachstums ist daher ebenso wichtig wie die Schlagzeilenzahl.
Besonders weit auseinander liegen die Erwartungen für Energie und Immobilien: Die Energiegewinne sollen um 115,9% steigen. Bei Immobilienunternehmen rechnen die Analysten dagegen mit einem Rückgang um 71,5%. Diese gegenläufigen Prognosen verdeutlichen die erheblichen Unterschiede innerhalb des europäischen Aktienmarkts.
Technologie liefert einen weiteren Impuls
Neben Energie könnte auch die Technologiebranche zur Gewinnverbesserung beitragen. Anfang Oktober erwarteten Analysten dort einen Zuwachs von 23,8%. Im Juli hatte die entsprechende Prognose noch bei 13,1% gelegen.
Die angehobenen Technologieschätzungen liefern einen zusätzlichen Ansatzpunkt für die Berichtssaison. Sie sprechen dafür, die erwartete Verbesserung nicht ausschließlich auf Energie zu reduzieren. Zugleich bleiben auch diese Zahlen Erwartungen: Erst die Veröffentlichungen zeigen, ob die Unternehmen die höheren Maßstäbe erfüllen.
Für das vierte Quartal 2026 lagen die Erwartungen Anfang Oktober sogar bei einem Gewinnwachstum von 35,1% für den STOXX 600. Damit setzt der Konsens auf eine weitere Beschleunigung. Enttäuschungen in der laufenden Berichtssaison könnten deshalb auch die Zuversicht für das Folgequartal infrage stellen.
Höhere Gewinne sind keine Kursgarantie
Bank of America bleibt für den europäischen Gesamtmarkt trotz einer verbesserten relativen Einstufung skeptisch. Das Haus erwartet für den STOXX 600 einen Stand von 580 Punkten bis zum zweiten Quartal 2027. Europäische Aktien hob es gegenüber globalen Aktien dennoch von Untergewicht auf neutral an.
Die relative Aufwertung ist somit keine uneingeschränkt positive Prognose für die absolute Kursentwicklung. Bank of America verweist insbesondere auf gestiegene US-Realrenditen als Belastung für europäische Aktien.
Der Tagesgewinn von 1,0% am Freitag zeigt eine Erholung des STOXX 600, bestätigt aber noch nicht die Gewinnprognosen. Der entscheidende Prüfstein sind nun die Unternehmensberichte: Tragen auch Branchen außerhalb der Energie den Zuwachs, gewinnt die erwartete Ergebnisverbesserung an Breite.
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