European Lithium steht nach einer starken Rally plötzlich unter Druck. Der Kurs fällt deutlich, obwohl der geplante Zusammenschluss mit Critical Metals den Takt vorgibt. Der Markt preist weiter ein hohes Risiko ein. Genau dort liegt der Kern der Geschichte.

Am Freitag schloss die Aktie bei 0,25 Euro. Das bedeutete ein Tagesminus von 8,70 Prozent und einen Wochenverlust von 14,71 Prozent. Nur wenige Tage zuvor hatte der Titel noch ein Jahreshoch bei 0,31 Euro erreicht.

Die Rally ist damit nicht beendet, aber klar angeschlagen. Seit Jahresanfang liegt European Lithium noch 164,48 Prozent im Plus. Auf Sicht von zwölf Monaten steht sogar ein Gewinn von 806,25 Prozent. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt bei 0,21 Euro bleibt positiv.

Verkaufdruck trifft auf Übernahmefantasie

Ein Teil der Schwäche kam aus dem Sektor. Australische Minenwerte gerieten breit unter Druck, der S&P/ASX 200 Resources Index verlor rund 2,8 Prozent. Lithiumcarbonat-Futures in Guangzhou fielen um 4,6 Prozent.

Auch Wettbewerber wie Vulcan Energy und Elevra Lithium gaben nach. Das erklärt den Rücksetzer aber nur teilweise. Bei European Lithium hängt derzeit fast alles am geplanten Zusammenschluss mit Critical Metals.

Die beiden Unternehmen haben am 18. Mai 2026 eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet. European Lithium soll vollständig in den an der Nasdaq gelisteten Partner eingebracht werden. Die Aktionäre sollen 0,035 Critical-Metals-Aktien je European-Lithium-Aktie erhalten.

Die Abstimmung ist für das dritte Quartal geplant. Vorher muss European Lithium im Juni den Entwurf des Scheme Booklet bei ASIC und der australischen Börse einreichen. Diese Unterlage wird zum zentralen Dokument für die Aktionäre.

Abschlag zeigt Misstrauen

Eine wichtige Finanzhürde ist bereits genommen. Critical Metals platzierte 2,5 Millionen eigene Aktien und nahm damit 45 Millionen Australische Dollar ein. Die Barmittel stiegen auf rund 356 Millionen Australische Dollar.

Damit liegt Critical Metals über der geforderten Schwelle. Trotzdem bleibt der Markt skeptisch. Der Kurs von European Lithium notiert etwa 40 Prozent unter dem rechnerischen Fusionswert.

Auf Basis jüngster Wechselkurse entspricht das Umtauschverhältnis rund 0,58 Australischen Dollar je European-Lithium-Aktie. Dieser Abstand ist groß. Er zeigt, dass der Markt nicht nur auf den Deal schaut, sondern auf dessen Umsetzung.

Zwei Punkte wiegen besonders schwer. Die ASX prüft, ob European Lithium gegen laufende Veröffentlichungspflichten verstoßen hat. Das Unternehmen vertritt die Position, dass die Gespräche erst mit einer unverbindlichen Absichtserklärung Ende April kursrelevant wurden.

Hinzu kommt ein Governance-Thema. Tony Sage ist zugleich Executive Chairman von European Lithium und CEO von Critical Metals. Deshalb wurde ein unabhängiges Komitee eingesetzt, das die Interessen der Minderheitsaktionäre schützen soll.

Dieses Komitee empfiehlt die Annahme des Deals. Die Empfehlung gilt aber nur, wenn kein besseres Angebot auftaucht und ein unabhängiger Gutachter die Transaktion als fair einstuft. Critical-Metals-Aktionäre müssen nicht abstimmen.

Grönland bleibt der operative Hebel

Neben der Transaktion rückt Tanbreez in Grönland nach vorn. Die Pilotanlage in Qaqortoq ist physisch fertig. Die Betriebsgenehmigung der lokalen Behörden fehlt aber noch.

Ohne diese Genehmigung kann European Lithium die geplante Probe von 150 Tonnen im Juni nicht fördern. Diese Probe enthält Terbium und Dysprosium. Beide schweren Seltenen Erden sind wichtig für Elektromotoren und Verteidigungstechnik.

Der Zeitplan ist eng. Chinas Exportbeschränkungen für diese Materialien sind nur bis November 2026 ausgesetzt. Alternative Lieferketten außerhalb Chinas gewinnen dadurch an strategischem Gewicht.

Finanziell gibt es Rückenwind. Die US Export-Import Bank hat eine Absichtserklärung für bis zu 120 Millionen US-Dollar Projektfinanzierung für Tanbreez unterzeichnet. Das ersetzt keine Genehmigung, erhöht aber die Sichtbarkeit des Projekts.

Auch Wolfsberg bleibt relevant. Das österreichische Bundesverwaltungsgericht kippte im vergangenen November eine vereinfachte Umweltprüfung. Eine neue Prüfung durch die Kärntner Landesregierung verschiebt die finale Investitionsentscheidung mindestens bis Ende 2026.

Die Bergbaulizenz läuft nur bis Anfang 2028. Der Abnahmevertrag mit BMW bleibt zwar bestehen, doch der Zeitpuffer ist begrenzt. Damit bleibt Wolfsberg ein zweiter Unsicherheitsfaktor im Hintergrund.

Im Juni zählen nun zwei Punkte: die Einreichung der Transaktionsunterlagen und die Betriebsgenehmigung aus Nuuk. Kommen beide Prozesse voran, kann der hohe Abschlag zum Fusionswert schrumpfen. Verzögerungen würden den jüngsten Kursrückgang dagegen fundamental unterfüttern.