European Lithium schloss am Freitag bei 0,1552 Euro, ein Plus von 1,97 Prozent zum Vortag. Über die vergangene Woche steht dennoch ein Minus von 6,17 Prozent zu Buche. Der Grund liegt nicht im eigenen Geschäft, sondern in einem fremden Aktienkurs.

Denn der Ausstieg der European-Lithium-Aktionäre führt komplett über eine andere Aktie: Critical Metals Corp. Nach der verbindlichen Scheme-Vereinbarung erhalten European-Lithium-Anteilseigner 0,035 Critical-Metals-Aktien für jede gehaltene Aktie. Der Wert des Deals hängt damit vollständig am Nasdaq-Kurs des Partners.

Critical Metals rutscht ab

Genau dieser Partner steckt in Schwierigkeiten. Critical Metals Corp steuert auf den schwächsten Monat seit Februar 2025 zu. Die Aktie hat im Juli rund 41 Prozent verloren, während Investoren die Aussichten für Seltene-Erden-Förderer neu bewerten.

Auslöser der Sorgen: Registrierungsunterlagen für den Weiterverkauf von mehr als 20 Millionen Aktien. Anleger befürchten zusätzliches Angebot am Markt und damit eine Verwässerung ihrer Anteile. Das Tanbreez-Projekt in Grönland, eine mögliche nicht-chinesische Quelle für schwere Seltene Erden, bleibt strategisch wichtig. Der Fokus der Investoren hat sich trotzdem verschoben – hin zu den begrenzten aktuellen Einnahmen, dem laufenden Kapitalbedarf und den Jahren, die bis zur Großproduktion noch nötig sind.

Critical-Metals-Chef Tony Sage versucht gegenzusteuern. Er verweist auf Fortschritte vor Ort und ordnet die Schwäche als Branchenphänomen ein: „So ist der ganze REE-Sektor. Wir sind nicht allein. Er wird sich wieder erholen. China muss beim REE-Monopol geschlagen werden.“

Warum das für European Lithium zählt

Die Übernahme ist als Aktientausch-Verhältnis fixiert, nicht als Cash-Betrag. Jeder Prozentpunkt, den Critical Metals verliert, senkt direkt den impliziten Übernahmewert für European-Lithium-Aktionäre. Eine Neupreisung des Deals gab es bisher nicht.

Der Zeitplan steht offiziell weiter: Das Scheme Booklet inklusive eines unabhängigen Prüfberichts soll Ende Juli oder Anfang August 2026 vorliegen und den Aktionären sowie Optionsinhabern zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Umsetzung der Transaktion ist für September 2026 geplant. Der fallende Kurs von Critical Metals verändert allerdings, was Aktionäre am Ende tatsächlich erhalten, sobald das Tauschverhältnis in einen Cash-Gegenwert umgerechnet wird.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Der eigene Kurs von European Lithium zeigt die Belastung deutlich. Die Aktie notiert rund 49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,3055 Euro vom 2. Juni 2026. Der 14-Tage-RSI von 32,1 signalisiert überverkauftes Terrain, während eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 70 Prozent zeigt, wie stark die Aktie auf Stimmungsschwankungen rund um das Wolfsberg-Projekt und den Critical-Metals-Kurs reagiert.

Trotz des jüngsten Rückschlags steht die Aktie seit Jahresbeginn noch mit 71,30 Prozent im Plus. Über zwölf Monate summiert sich der Gewinn auf 255,96 Prozent – ein Ausdruck der massiven Neubewertung, die der Titel erfuhr, als die Verbindung zu Critical Metals im April erstmals bekannt wurde.

European-Lithium-Aktionäre stehen damit vor zwei möglichen Szenarien in den kommenden Wochen. Entweder stabilisiert sich Critical Metals und der Übernahmewert erholt sich, oder anhaltende Schwäche drückt die effektive Prämie weiter, noch bevor die Scheme-Meetings in der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Die Veröffentlichung des Scheme Booklets und jedes Anzeichen einer Stabilisierung bei Critical Metals dürften in den nächsten Wochen die entscheidenden Signale liefern.