European Lithium steht im Juni vor einem dichten Terminkalender. Drei parallele Prozesse entscheiden darüber, ob die geplante Nasdaq-Fusion mit Critical Metals Corp. planmäßig vorankommt — oder ob sich der Zeitplan weiter verschiebt.

Die Aktie notiert bei 0,23 Euro und hat in den vergangenen sieben Tagen rund 17 Prozent verloren. Auf Jahressicht steht trotzdem ein Plus von über 820 Prozent — ein klares Zeichen, wie viel spekulative Erwartung in dem Papier steckt.

Fusionsprozess: Nächste Schritte im Zeitplan

Das Herzstück der aktuellen Phase ist die Einreichung eines Scheme-Booklets bei der australischen Wertpapieraufsicht ASIC. Eine erste Anhörung folgt im Juli. Danach erhalten Aktionäre das Dokument, bevor die Abstimmung im dritten Quartal stattfindet.

Für das Ja der Aktionäre braucht European Lithium eine Kopfmehrheit der abstimmenden Aktionäre sowie mindestens 75 Prozent des Abstimmungswertes. Wer zustimmt, erhält 0,035 Critical-Metals-Aktien je European-Lithium-Aktie — eine Prämie von 137 Prozent auf den ungestörten Schlusskurs.

Eine wichtige Bedingung hat das Unternehmen bereits erfüllt. Durch den Verkauf von Critical-Metals-Anteilen flossen rund 45 Millionen australische Dollar. Die Kasse liegt nun bei etwa 356 Millionen australischen Dollar — über dem geforderten Minimum von 330 Millionen.

CDI-Änderung erschwert Zugang für Privatanleger

Am 3. Juni strich das Unternehmen eine Wahlmöglichkeit aus dem Fusionsangebot. Aktionäre können die Critical-Metals-Aktien nun nicht mehr als ASX-gehandelte CHESS Depository Interests erhalten. Stattdessen liefert das Unternehmen direkt Nasdaq-Aktien.

Das Umtauschverhältnis bleibt unverändert. Für australische Privatanleger ohne Zugang zu US-Depots schafft die Änderung jedoch eine praktische Hürde.

Tanbreez: Genehmigung fehlt noch

In Grönland wartet das Tanbreez-Projekt auf eine Betriebsgenehmigung. European Lithium braucht sie, um eine 150-Tonnen-Probe zu entnehmen — geplant für Juni. Ohne diese Probe fehlt die technische Validierung des Projekts.

Das Depot enthält die Seltenen Erden Terbium und Dysprosium. Chinas Exportbeschränkungen auf diese Materialien sind nur bis November 2026 ausgesetzt. Der Zeitdruck ist real.

Metallurgische Tests haben den Konzentratgehalt um rund 40 Prozent auf 2,96 Prozent Gesamtanteil Seltener Erdoxide verbessert. Die US-amerikanische Export-Import-Bank hat zudem eine unverbindliche Absichtserklärung für bis zu 120 Millionen US-Dollar Finanzierung ausgestellt.

ASX-Untersuchung und Wolfsberg-Blockade

Die australische Börse ASX untersucht, ob European Lithium gegen Offenlegungspflichten verstoßen hat. Medienberichte über die Fusion kursierten vor der offiziellen Ankündigung. Das Unternehmen bestreitet einen Verstoß und argumentiert, die Verhandlungen seien erst mit dem Letter of Intent Ende April wesentlich geworden. Die Untersuchung könnte den Zeitplan für das Scheme of Arrangement beeinflussen.

Hinzu kommt das österreichische Lithiumprojekt Wolfsberg. Österreichs Bundesverwaltungsgericht kippte im November 2025 eine zentrale Bergbaugenehmigung. Die Behörden müssen nun eine Einzelfallprüfung nach EU-Recht durchführen. Die Bundesbehörden verlängerten die Bergbaulizenz im Februar 2026 zwar um zwei Jahre — sie läuft jetzt bis Anfang 2028. Das Offtake-Abkommen mit BMW bleibt bestehen. Eine finale Investitionsentscheidung für Wolfsberg peilt das Unternehmen bis Ende 2026 an. Ob das realistisch ist, hängt von der Genehmigungslage ab.

Alles hängt am Juni

Scheme-Booklet bei der ASIC, Bohrgenehmigung in Grönland, offene ASX-Untersuchung — alle drei Prozesse laufen parallel. Critical Metals plant den Abschluss der Fusion für die zweite Jahreshälfte 2026. Bleibt auch nur einer der drei Punkte ungelöst, verschiebt sich der gesamte Zeitplan.