Die Wirtschaft im Euroraum hat im September überraschend stark an Fahrt gewonnen und das schnellste Wachstumstempo seit fast dreieinhalb Jahren erreicht. Der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister stieg von 52,0 Zählern im Vormonat auf 53,1 Punkte. Dieser Schub stützt zwar die Konjunktur, heizt jedoch die Teuerung wieder an – und stärkt die Argumente für weitere Zinserhöhungen.
Hinter dem Aufschwung stehen vor allem die beiden größten Volkswirtschaften des Währungsraums. In Deutschland beschleunigte sich das Wachstum spürbar, getragen von einer kräftigen Erholung im Dienstleistungssektor. Der deutsche Gesamtindex kletterte auf 53,8 Punkte und markierte damit den besten Wert seit elf Monaten. Die Auftragseingänge legten im gesamten Euroraum den dritten Monat in Folge zu, gestützt von einer leichten Erholung im Exportgeschäft.
In Frankreich kehrte die Privatwirtschaft nach monatelanger Schwächephase ebenfalls in den Wachstumsbereich zurück. Das Bild fällt dort allerdings merklich verhaltener aus als beim Nachbarn. Während deutsche Betriebe den zweiten Monat in Folge neue Stellen schufen, bauten französische Unternehmen abermals Personal ab. Vor allem politische Unsicherheiten und gestiegene Zinsen dämpfen die Geschäftserwartungen vieler französischer Firmen.
Neuer Kostendruck für Unternehmen
Parallel zur Belebung der Nachfrage zieht die Teuerung wieder an. Sowohl die Einkaufskosten als auch die Verkaufspreise der Unternehmen stiegen im gesamten Währungsraum so schnell wie seit vier Monaten nicht mehr. Als Preistreiber erwiesen sich vor allem höhere Ausgaben für Treibstoffe, Energie und Metalle. Dieser Kostendruck erfasst mittlerweile sowohl die Industrie als auch den Dienstleistungssektor.
Die Kombination aus solidem Expansionstempo und anziehenden Kosten stellt die Europäische Zentralbank vor Handlungsdruck. Ökonomen taxieren das vierteljährliche Wirtschaftswachstum im Euroraum auf 0,4 Prozent. Die unerwartete Widerstandskraft der Konjunktur könnte die Notenbanker dazu verleiten, die Leitzinsen vor Ablauf des Jahres noch einmal anzuheben.


