Der Satellitenbetreiber Eutelsat hat die Finanzergebnisse für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 2025/26 vorgelegt. Während das klassische Videogeschäft branchenweit unter Druck steht, treibt das massive Wachstum im Bereich der erdnahen Satelliten (LEO) die Transformation des Konzerns voran. Die Marktreaktion fiel verhalten aus: Die Aktie schloss gestern mit einem Minus von 2,2 Prozent bei 2,17 Euro.

Umsatzsprung im Satellitengeschäft gleicht Video-Verluste aus

Der Gesamtumsatz kletterte im abgelaufenen Geschäftsjahr auf vergleichbarer Basis um 3 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich die LEO-Sparte, deren Erlöse um rund 70 Prozent auf zirka 300 Millionen Euro anstiegen. Damit steuert dieses junge Segment bereits ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Diesen Zuwächsen stand jedoch ein deutlicher Rückgang der Erlöse im traditionellen Videogeschäft gegenüber, die um 13,1 Prozent sanken.

Die Profitabilität des Konzerns war im Berichtszeitraum rückläufig. Die EBITDA-Marge sank von 54,4 Prozent im Vorjahr auf nun 51,2 Prozent. Dennoch gelang es dem Unternehmen, den Nettoverlust signifikant zu begrenzen: Dieser verringerte sich von 1,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf nun 457 Millionen US-Dollar. Laut CEO Fallacher ist das starke Wachstum im LEO-Bereich der entscheidende Faktor, um die Rückgänge im GEO-Geschäft langfristig zu kompensieren.

Erfolgreiche Refinanzierung und Fokus auf Konnektivität

Ein zentraler Meilenstein des vergangenen Jahres war die Stärkung der Bilanz. Eutelsat konnte eine umfassende Refinanzierung in Höhe von 5 Milliarden Euro abschließen. Dieser Prozess beinhaltete unter anderem die Ausgabe von vorrangigen Anleihen im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Infolge dieser Maßnahmen verbesserte sich das Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA von 3,9 auf nun 2,32.

Zusätzliche Planungssicherheit verleiht ein Auftragsbestand von 3,4 Milliarden US-Dollar. Ein wesentlicher Teil davon entfällt auf neue staatliche Kooperationen. So wurde ein Vertrag mit dem französischen Verteidigungsministerium über 350 Millionen US-Dollar mit einer Laufzeit von acht Jahren unterzeichnet.

Davon sind 138 Millionen Euro für die ersten vier Jahre als fester Betrag vereinbart. Diese Abschlüsse verdeutlichen die strategische Neuausrichtung auf gesicherte Konnektivitätsdienste.

Investitionsoffensive und ambitionierte Ziele bis 2029

Für die kommenden Jahre plant das Management eine erhebliche Ausweitung der Kapazitäten. Im Geschäftsjahr 2027 sollen die Investitionsausgaben (CapEx) bei 1,2 Milliarden Euro liegen. Ein langfristiger Vierjahresplan sieht Investitionen von insgesamt 4 Milliarden Euro vor. Ein Großteil dieser Mittel ist für den Ersatz der OneWeb-Konstellation reserviert, wofür bereits 440 neue Satelliten bestellt wurden.

Eutelsat ist zudem federführend im SpaceRISE-Konsortium aktiv, das das europäische Satellitenprojekt IRIS² realisieren soll. Dieses Programm sieht den Aufbau einer souveränen Infrastruktur mit 282 Satelliten vor, die ab 2029 erste Dienste bereitstellen soll. Damit will das Konsortium, dem auch SES angehört, eine europäische Alternative zu kommerziellen Anbietern wie Starlink schaffen.

An der Börse bleibt die Lage für Eutelsat vorerst angespannt. Mit dem aktuellen Kurs notiert das Papier unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,34 Euro. Das Management blickt dennoch optimistisch in die Zukunft und strebt für das Geschäftsjahr 2029 einen Umsatz zwischen 1,5 und 1,7 Milliarden Euro an. Die EBITDA-Marge soll bis dahin wieder auf über 60 Prozent steigen.