Der Satellitenbetreiber Eutelsat treibt seine Transformation zum Multi-Orbit-Anbieter voran und verzeichnet im Segment der erdnahen Umlaufbahnen (LEO) ein massives Umsatzplus.
Mit dem erfolgreichen Abschluss einer Implementierungsvereinbarung für das europäische IRIS²-Programm und einer Milliardeninvestition in das OneWeb-Netzwerk festigt das Unternehmen seine strategische Neuausrichtung. Die Aktie notiert am heutigen Donnerstag bei 2,20 € und verzeichnet damit ein Plus von 3,8 %.
Umsatzsprung im LEO-Segment und Jahresergebnisse
In den am vergangenen Freitag veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025-26 zeigt sich die zunehmende Bedeutung der LEO-Aktivitäten. Während der Gesamtumsatz auf berichteter Basis leicht um 0,6 % auf 1.235,9 Millionen € sank, stiegen die Erlöse im LEO-Bereich um 69,5 % auf 297 Millionen €. Damit trägt dieses Segment bereits ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 632 Millionen €, was einer Marge von 51,2 % entspricht.
Trotz eines Nettoverlusts von 457 Millionen € verbesserte sich das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr deutlich, als noch ein Minus von 1,1 Milliarden € zu Buche stand. Positiv wirken zudem erwartete Anreizzahlungen in Höhe von 504 Millionen US-Dollar für die Räumung des C-Bands in den USA.
Für das kommende Geschäftsjahr 2026-27 stellt Eutelsat ein leichtes Umsatzwachstum und eine stabile EBITDA-Marge in Aussicht, wobei das Wachstum im LEO-Bereich den Rückgang im klassischen GEO-Geschäft kompensieren soll.
Industrielle Umsetzung von IRIS² und OneWeb-Ausbau
Ein zentraler Meilenstein für die langfristige Strategie ist die Einigung zwischen der Europäischen Kommission und dem SpaceRISE-Konsortium, dem neben Eutelsat auch Hispasat und SES angehören. Ziel ist die industrielle Umsetzung von IRIS², einer souveränen europäischen Konnektivitätsinfrastruktur.
Eutelsat übernimmt dabei die Führung im LEO-Segment. Die geplante Konstellation soll insgesamt 348 Satelliten umfassen, davon 330 in der erdnahen Umlaufbahn. Medienberichten zufolge sind 66 dieser Satelliten speziell für Verteidigungs- und Sicherheitsdienste reserviert, wobei die ersten Starts für das Jahr 2029 vorgesehen sind.
Parallel dazu investiert Eutelsat massiv in die eigene Infrastruktur. Wie das Unternehmen am Dienstag bestätigte, wird das bestehende OneWeb-Netzwerk bis zum Jahr 2034 verlängert. Hierfür sollen zusätzlich zu den bereits beschafften 440 Satelliten weitere 229 Einheiten in den Orbit gebracht werden.
Diese Maßnahme erfordert Investitionen von rund einer Milliarde €. Für das Geschäftsjahr 2026-27 plant das Management mit Brutto-Investitionsausgaben von etwa 1,2 Milliarden €, was deutlich über den bisherigen Erwartungen liegt und durch die beschleunigte Erneuerung der Konstellation begründet wird.
Analysteneinschätzung und Marktstimmung
Analysten bewerten die operative Entwicklung differenziert. Die Experten von Morgan Stanley wiesen darauf hin, dass der Quartalsumsatz in den operativen Vertikalen den Konsens um rund 10 % übertroffen habe.
Auch das bereinigte Jahres-EBITDA lag leicht über den Erwartungen. Dennoch reagierte der Markt am vergangenen Freitag zunächst mit deutlichen Abschlägen auf die Präsentation der Jahresergebnisse, was Experten vor allem auf die hohen Investitionsankündigungen zurückführten.
Der Auftragsbestand von Eutelsat lag zum 30. Juni bei 3,4 Milliarden €, was etwa dem 2,7-fachen des Jahresumsatzes entspricht. Bemerkenswert ist hierbei die Verschiebung hin zu Konnektivitätslösungen, die inzwischen 61 % des Backlogs ausmachen.
Seit Jahresanfang konnte die Aktie trotz der jüngsten Volatilität um 29 % zulegen, womit sie sich deutlich von ihrem im Dezember erreichten 52-Wochen-Tief erholt zeigt. Neben den zivilen Aufträgen sicherte sich das Unternehmen zudem im Rahmen des französischen Verteidigungsprogramms NEXUS potenzielle Abrufe im Wert von bis zu 350 Millionen €.
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