Der Satellitenbetreiber Eutelsat treibt die Transformation seines Geschäftsmodells konsequent voran und festigt seine Position als zentraler Akteur in der europäischen Weltraumstrategie. Während die Integration des Breitbandspezialisten OneWeb im Bereich der erdnahen Umlaufbahnen (LEO) erste operative Erfolge zeigt, spiegelt sich diese Dynamik im aktuellen Marktumfeld noch nicht vollständig wider.

Am gestrigen Freitag schloss das Papier bei 1,85 Euro und setzte damit die schwache Tendenz der letzten Wochen fort. Allein innerhalb der vergangenen 30 Tage verzeichnete der Titel einen Rückgang von 11 Prozent.

Fortschritte bei IRIS² und massives LEO-Wachstum

Ein wesentlicher Pfeiler der künftigen Strategie ist die Beteiligung am europäischen Infrastrukturprojekt IRIS². Eutelsat konnte hier vor gut drei Wochen den erfolgreichen Abschluss des Meilensteins „First Rendez-Vous“ vermelden.

Als führendes Unternehmen im LEO-Segment innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums übernimmt der Konzern eine Schlüsselrolle beim Aufbau einer souveränen, multi-orbitalen Konnektivitätsinfrastruktur für Europa. Diese nächste Generation technologischer Kapazitäten soll die Netzwerkreichweite und Datensicherheit des Kontinents massiv erhöhen.

Operativ zahlt sich die Neuausrichtung bereits in den Geschäftszahlen aus, die das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025-26 vorlegte. Das LEO-Geschäft übertraf mit einem Umsatzwachstum von 69,5 Prozent auf 297 Millionen Euro die Erwartungen. Damit steuert dieser Bereich mittlerweile ein Viertel zum Gesamtumsatz bei, der sich auf rund 1,24 Milliarden Euro belief.

Trotz eines leichten Rückgangs im klassischen GEO-Geschäft stiegen die Erlöse in den operativen Kernbereichen auf vergleichbarer Basis um 3,0 Prozent.

Finanzielle Stabilität durch Großrefinanzierung

Parallel zur technischen Entwicklung hat Eutelsat seine Kapitalstruktur abgesichert. Medienberichten zufolge schloss das Unternehmen ein umfangreiches Refinanzierungspaket im Volumen von 5 Milliarden Euro ab. Dies verschafft dem Konzern die notwendige Liquidität für die anstehenden Investitionsphasen.

Die Nettoverschuldung wurde mit 1,46 Milliarden Euro angegeben, was dem 2,32-fachen des bereinigten EBITDA entspricht. Die durchschnittlichen Fremdkapitalkosten liegen nach Absicherungsgeschäften bei 4,37 Prozent.

Zusätzliche finanzielle Entlastung wird durch staatliche Zahlungen aus den USA erwartet. Im Zuge der Freigabe von Frequenzbereichen (C-Band-Clearing) rechnet Eutelsat mit einer Prämie der US-Fernmeldebehörde FCC in Höhe von 504 Millionen Dollar.

Diese Zahlung, die nach Abschluss der Übergangsphase erwartet wird, entspricht umgerechnet etwa 443 Millionen Euro. Zudem sicherte sich der Konzern im Rahmen des französischen Verteidigungsprojekts NEXUS einen Vertrag mit einem potenziellen Volumen von 350 Millionen Euro, wovon 138 Millionen Euro bereits fest für die ersten vier Jahre vereinbart wurden.

Hohe Investitionen für langfristige Ziele

Die kommenden Jahre stehen im Zeichen massiver Investitionen in die Satellitenflotte. Für das Geschäftsjahr 2026-27 plant das Management eine Verdoppelung der Investitionsausgaben (CapEx) auf rund 1,2 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr lediglich 594 Millionen Euro aufgewendet wurden. Dieser Kapitalbedarf dient vor allem dem weiteren Ausbau der LEO-Konstellation, um das prognostizierte Wachstum von über 30 Prozent in diesem Segment abzusichern.

An der Börse wird die langfristige Vision derzeit noch mit Skepsis betrachtet. Mit dem aktuellen Kursniveau notiert die Aktie rund 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Das Management hält jedoch an seinen ehrgeizigen Zielen fest: Bis zum Juni 2029 soll der Umsatz auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro steigen, wobei eine operative EBITDA-Marge von über 60 Prozent angestrebt wird. Der Nettoverlust konnte im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich von 1,1 Milliarden auf 457 Millionen Euro eingegrenzt werden.