2,02 Euro. Am Freitag knickt die Eutelsat-Aktie um weitere 3,81 Prozent ein. Der Kurs bewegt sich damit in unmittelbarer Nähe zur psychologischen Marke von 2,00 Euro — und die Anleger warten ab.
Der Grund für die Zurückhaltung liegt neun Tage voraus. Am 7. August 2026 legt der europäische Satellitenbetreiber seine Jahreszahlen für 2025/26 vor. Bis dahin bleibt der Titel zwischen zwei gegensätzlichen Erzählungen gefangen: einem ambitionierten Wachstumsplan im Orbit und einem schrumpfenden Kerngeschäft am Boden.
Die entscheidende Frage
Eutelsat positioniert sich als einziger Betreiber Europas, der geostationäre Satelliten und die neue LEO-Konstellation OneWeb gleichzeitig betreibt. Diese Doppelstrategie kostet enorm viel Geld. Kann das Unternehmen aus dem boomenden LEO-Connectivity-Geschäft genug freien Cashflow erwirtschaften, um den Schwund im klassischen Video-Geschäft und die hohen Investitionen in die neue Satellitenflotte auszugleichen? Genau diese Rechnung dürfte am 7. August im Mittelpunkt stehen.
Bullen-Szenario: Staatsverträge als Anker
Im Juni 2026 unterzeichnet Eutelsat den CENTAURE-Vertrag mit der französischen Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA. Der Abruf im Volumen von 350 Millionen Euro ist Teil des größeren NEXUS-Rahmenvertrags über eine Milliarde Euro. Er sichert dem Unternehmen für die kommenden acht Jahre planbare Einnahmen aus staatlichen LEO-Diensten.
Die operativen Zahlen untermauern die Wachstumsstory. Im dritten Quartal, gemeldet im Mai 2026, springen die LEO-Umsätze auf vergleichbarer Basis um 65 Prozent nach oben. Die „Connectivity-first“-Strategie zeigt damit erste handfeste Erfolge.
Charttechnisch kommt Rückenwind hinzu. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 30,2 — ein Wert, der klassisch als überverkauft gilt und historisch Schnäppchenjäger anlockt. Bestätigt der Ausblick zu den Jahreszahlen ein Ziel von 50 Prozent LEO-Wachstum im Jahresvergleich, wäre eine technische Erholung durchaus denkbar.
Bären-Szenario: Das Video-Geschäft bricht weg
Dem steht ein hartes Gegenargument entgegen. Das klassische Video-Geschäft macht noch immer rund 45 Prozent der operativen Vertikal-Umsätze aus. Im jüngsten Berichtszeitraum sinken diese Erlöse um 13,3 Prozent — wegen regionaler Sanktionen und dem anhaltenden Trend zum Streaming.
Dieser Rückgang setzt das LEO-Segment unter enormen Druck. Es muss den Ausfall nicht nur kompensieren, sondern gleichzeitig neues Wachstum liefern. Hinzu kommt die Kapitalbindung: Anfang 2026 bestellt Eutelsat bei Airbus zusätzliche 440 LEO-Satelliten. Dieser Deal garantiert hohe Investitionsausgaben für die gesamte Periode 2026 bis 2029.
Die Kursschwankungen fallen entsprechend heftig aus. Die Aktie bewegt sich derzeit weit unter ihrem 52-Wochen-Hoch und zeigt keine klaren Anzeichen einer Stabilisierung. Sollte der Bericht am 7. August eine Schwäche bei der EBITDA-Marge offenbaren, dürfte die Nervosität weiter zunehmen.
Ausblick: Zwei Marken im Blick
Solange sich der Kurs auf Schlusskursbasis über 2,00 Euro hält, spricht der überverkaufte RSI-Wert für eine mögliche Erholungsbewegung. Fällt die Aktie jedoch zurück in Richtung ihres 52-Wochen-Tiefs von 1,59 Euro aus dem Dezember 2025, dürfte die Debatte um die Schuldentragfähigkeit neu aufflammen — trotz der bereits abgeschlossenen Refinanzierung über fünf Milliarden Euro.
Der nächste große Prüfstein ist gesetzt: die Jahreszahlen am 7. August 2026 samt Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026/27. Entscheidend wird, ob das Management zeigen kann, dass sich die Adjusted-EBITDA-Marge trotz der Verschiebung hin zu margenschwächeren Connectivity-Diensten stabilisiert. Gelingt das, könnte sich der Abstand zum langfristigen Kursdurchschnitt verringern.
Bleibt diese Stabilisierung aus oder senkt das Management seine mittelfristigen Umsatzziele von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro für die Periode 2028/29, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten. Für die kommende Handelswoche richtet sich der Blick der Marktteilnehmer vor allem darauf, ob die Marke von 2,00 Euro ohne neue Unternehmensnachrichten hält.
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