Am Mittwoch rückten mögliche EU-Schutzmaßnahmen gegen chinesische Chemieimporte als Entlastung für europäische Spezialchemiehersteller in den Fokus. Für Evonik kommt diese Debatte zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen sein Profil schärfen will. An der Börse notiert die Aktie heute bei 21,32 Euro, was einem leichten Tagesplus von 0,4 Prozent entspricht. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung des Konzerns auf 9,78 Milliarden Euro.
Operative Initiativen im Recyclinggeschäft
Abseits der Branchenpolitik treibt das Essener Unternehmen eigene Projekte voran. Am Dienstag starteten Evonik, Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical eine gemeinsame Initiative zum chemischen Recycling von Polyurethanschaum in Japan.
Die Partner beabsichtigen, gebrauchten Schaumstoff sowie Produktionsreste zu sammeln und zu wiederverwendbaren Polyolen und Aminen aufzuarbeiten. Das Verfahren wird erprobt, um das Kreislaufmodell im japanischen Markt zu kommerzialisieren.
Bereits wenige Tage zuvor meldete der Spezialchemiekonzern Fortschritte im Pharmabereich. Neben einer Auszeichnung bei den CPHI Pharma Awards für digitale Labore stellte Evonik die Entwicklung einer biologisch abbaubaren Polymerplattform vor. Diese soll künftig als Basis für Hilfsstoffe zur oralen Arzneimittelverabreichung dienen.
Das Ringen um die Eigenständigkeit
Die operativen Vorhaben werden jedoch von Übernahmespekulationen überlagert. Nach der BASF-Offerte für Evonik vor gut drei Wochen, bei der zunächst 22,15 Euro je Aktie geboten worden waren, wies die Evonik-Führung das Angebot als zu niedrig zurück.
Medienberichten zufolge zeigte sich BASF nach einem Einblick in die Bücher zu einem Nachbessern bereit. Reuters meldete unter Berufung auf zwei Informanten, dass der Ludwigshafener Konzern im Übernahmefall die bestehenden Standort- und Beschäftigungsgarantien unangetastet lassen wolle.
Widerstand gegen einen Verkauf regt sich derweil in Politik und Gewerkschaften. Bei einer Debatte im nordrhein-westfälischen Landtag betonte Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur laut dpa-AFX ihre Ablehnung der Pläne, um Standorte und Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen zu sichern.
IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis stellte in einem internen, am 7. Oktober datierten Brief an Betriebsräte beider Unternehmen eine vollständige Veräußerung der Anteile durch die RAG-Stiftung infrage.
Das Stiftungskuratorium ließ sich zwar über das BASF-Interesse informieren, gab jedoch kein öffentliches Bekenntnis ab. Nach Informationen des Handelsblatts aus Beteiligtenkreisen soll die Stiftung zunächst direkte Verhandlungen zwischen beiden Chemiekonzernen abwarten.
Zwischenbericht als nächster Orientierungspunkt
Für Evonik rückt damit die eigene Bilanz in das Zentrum des Interesses. Das Unternehmen hat die Veröffentlichung des Berichts zum dritten Quartal 2026 für den 03.11.2026 angekündigt. Anleger dürften die Vorlage der Zwischenbilanz nutzen, um die fundamentale Ertragskraft des Spezialchemieherstellers auf eigenständiger Basis zu überprüfen.
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