Die Führung von Evotec verstärkt ihren Dialog mit dem Kapitalmarkt, um nach monatelangen Kursverlusten wieder für Stabilität zu sorgen. Finanzchefin Claire Hinshelwood präsentierte auf der Morgan Stanley Global Healthcare Conference verbesserte geschäftliche Indikatoren und verwies auf künftige Umsatzpotenziale. Dabei betonte Hinshelwood, die größte Herausforderung des Wirkstoffforschers liege derzeit in der Marktwahrnehmung und nicht in der wissenschaftlichen Kompetenz des Unternehmens.

Am Markt stießen die Signale des Managements zum Ende der vergangenen Handelswoche auf reges Interesse. Nach den Aussagen der Finanzchefin rückte das Papier zeitweise an die Spitze des SDax vor. Im heutigen Handel notiert der Wert bei 2,88 Euro, was einem Rückgang von 1,2 Prozent entspricht.

Strategische Initiativen und Pipeline-Fortschritte

Das Hamburger Biotech-Unternehmen setzt darauf, den Fokus der Investoren wieder stärker auf operative Entwicklungen zu lenken. Zuletzt vermeldete die Tochtergesellschaft Just – Evotec Biologics das Vorrücken des Antikörperprogramms JST-018 gegen Orthopoxviren in die klinische Phase I. Das Vorhaben wird im Rahmen des Accelerated Antibodies Program des U.S. Department of War vorangetrieben.

Parallel dazu baut der Konzern seine Forschungsallianzen aus. Anfang August kündigte Evotec eine Partnerschaft mit Odyssey Therapeutics im Bereich von Autoimmun- und Entzündungserkrankungen an, bei der künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Diese Kooperationen sollen mittelfristig die Pipeline stärken und neue Erlösquellen erschließen.

Belastungen aus dem ersten Halbjahr

Dennoch bleibt die Ausgangslage für Evotec anspruchsvoll. Vor gut drei Wochen bestätigte das Management die gesenkte Prognose für das Gesamtjahr 2026. Nach einem Umsatz von 300,1 Millionen Euro im ersten Halbjahr rechnet das Unternehmen auf Jahressicht mit Erlösen zwischen 570 und 610 Millionen Euro sowie einem bereinigten EBITDA von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro.

Zudem veränderte sich die Kapitalstruktur durch die Ausgabe neuer Aktien. Nach der Ausgabe von Bezugsaktien mit Wirkung zum 9. September beläuft sich die Gesamtzahl der Stimmrechte auf 177.909.968 Stück.

Mit einem Abstand von 4,0 Prozent zum 52-Wochen-Tief von 2,77 Euro zeigt sich, wie tief die Skepsis am Markt noch sitzt. Die jüngsten Konferenzauftritte verdeutlichen jedoch, dass der Vorstand die Kommunikation intensiviert, um die Lücke zwischen operativer Forschungsarbeit und Börsenbewertung schrittweise zu schließen.