Die italienische Großbank UniCredit darf ihren Anteil an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent heben und ohne Obergrenze weiter ausbauen. Die Europäische Zentralbank hat der Aufstockung zugestimmt. Damit rückt die angestrebte Übernahme des Frankfurter DAX-Konzerns in greifbare Nähe.
An der Börse sorgte das Signal am Freitagmorgen für Zuwächse. Kurz nach Handelsstart legte die Commerzbank-Aktie um gut ein Prozent auf 38,09 Euro zu. Auch die Papiere der UniCredit verteuerten sich um rund ein Prozent.
Freie Hand für weitere Zukäufe
Für UniCredit-Chef Andrea Orcel ist der Bescheid aus Frankfurt der entscheidende Durchbruch. Die Mailänder Bank darf nun Commerzbank-Aktien, die sie sich im Sommer über ein Tauschangebot gesichert hatte, in eigene Anteile umtauschen. Mehr noch: Die Aufsicht erlaubt weitere Zukäufe am Markt ohne Begrenzung nach oben.
Die Notenbank verbindet ihre Zustimmung zwar mit der Warnung vor einem langwierigen und herausfordernden Integrationsprozess. Grundsätzlich stellt sie sich grenzüberschreitenden Bankenfusionen aber selten in den Weg. Solche Zusammenschlüsse sollen nach Ansicht der Währungshüter den europäischen Binnenmarkt stärken.
UniCredit peilt nun den nächsten Schritt an. Bis zum Jahresende erwartet das Institut die verbleibenden Genehmigungen, unter anderem von den Kartellbehörden. Nach Abschluss dieser Verfahren würde der Anteil der Italiener von knapp 30 auf fast 50 Prozent der Stimmrechte steigen. Damit läge die faktische Kontrolle in Mailand.
Widerstand aus Berlin gegen Stellenabbau
Der Plan trifft in Deutschland weiterhin auf Vorbehalte. UniCredit sieht bei einer Fusion Potenzial für Milliardeneinsparungen und den Abbau Tausender Stellen. Zudem steht eine Verkleinerung des Auslandsnetzes im Raum, das für deutsche Mittelständler eine zentrale Rolle spielt.
Die Bundesregierung stemmt sich gegen diesen Kurs. Der Bund hält noch gut 13 Prozent an der Commerzbank. Er dringt in den laufenden Gesprächen darauf, betriebsbedingte Kündigungen abzuwenden, den Hauptsitz in Frankfurt zu sichern und das Mittelstandsgeschäft im bisherigen Umfang zu erhalten.
Bis zum Jahresende entscheidet sich, ob dieser politische Widerstand die Übernahme noch bremsen kann. Liegen die ausstehenden Kartellfreigaben vor, kann UniCredit die Mehrheit an der Commerzbank ohne weitere aufsichtsrechtliche Barrieren übernehmen.
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