Die Europäische Zentralbank legt bei ihren Zinserhöhungen eine Pause ein und stellt die Weichen an der Führungsspitze neu. Der Einlagensatz verharrt bei 2,5 Prozent, während EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren vorzeitigen Rücktritt zum 7. Februar 2027 ankündigte. An den Märkten sorgte die Kombination aus Zinsstillstand und Personalschnitt für Erleichterung bei den Anleihen, setzte die europäische Gemeinschaftswährung jedoch unter Druck.
Der Euro gab nach der Entscheidung nach und notierte bei rund 1,113 Dollar auf dem niedrigsten Stand seit vergangenem Mai. An den Rentenmärkten sanken vor allem die Renditen zweijähriger Staatspapiere deutlich. Der richtungweisende Euro-Bund-Future legte um 0,25 Prozent auf 122,11 Punkte zu, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 3,35 Prozent notierte. Der europäische Aktienindex Stoxx 600 behauptete ein Plus von knapp einem Prozent.
Straffere Finanzierungsbedingungen dämpfen Zinserwartungen
Hinter der Zinspause steht ein geldpolitischer Drahtseilakt. Auf der einen Seite warnen die Währungshüter vor Inflationsrisiken durch steigende Energiekosten. Auf der anderen Seite wirken die bereits vollzogenen Zinsschritte und die spürbar gestrafften Finanzierungsbedingungen bereits dämpfend auf die Wirtschaft und den Preisdruck im Euroraum.
Marktteilnehmer deuteten den Tonfall der Notenbank als Hinweis darauf, dass die Hürden für künftige Zinsschritte höher liegen als zuvor befürchtet. Vor allem die Lage am französischen Anleihemarkt mahnt zur Vorsicht. Da die Staatspapiere des hoch verschuldeten Landes besonders sensibel auf steigende Zinsen reagieren, dürften die Währungshüter ein Übergreifen höherer Finanzierungskosten auf den Bankensektor und Unternehmen vermeiden wollen.
Führungswechsel wirft Schatten voraus
Mit Lagardes angekündigtem Abschied bahnt sich an der Spitze der Zentralbank ein größerer Umbau an. Neben dem Spitzenposten stehen Anfang 2027 auch die Vorstandsmandate von Isabel Schnabel und Chefvolkswirt Philip Lane zur Neubesetzung an. Als mögliche Nachfolger an der EZB-Spitze gelten vor allem die Notenbankchefs Pablo Hernandez De Cos und Klaas Knot.
Für den weiteren Zinspfad verschafft sich die Notenbank vorerst Handlungsspielraum. Eine erneute Anhebung der Leitzinsen gilt für die kommende Sitzung im Dezember als wahrscheinlich, sofern der Preisdruck bei den Energierohstoffen hoch bleibt. Bis dahin dürften die Inflationsdaten und die Entwicklung an den europäischen Anleihemärkten den Ausschlag geben.


