EZB steuert wegen hoher Teuerung auf Zinserhöhung im Dezember zu

Fast 90 Prozent der befragten Volkswirte rechnen im Dezember mit einer Anhebung um 25 Basispunkte; Ende Oktober dürfte der Zins stabil bleiben.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Euroraum-Inflation erreicht 3,8 Prozent
  • Dezember-Zinsschritt von 25 Basispunkten erwartet
  • Einlagensatz bleibt Ende Oktober voraussichtlich bei 2,50 Prozent
  • Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck

Die Europäische Zentralbank steuert auf eine Zinsanhebung zum Jahresende zu. Eine deutliche Mehrheit von Volkswirten rechnet nach der jüngsten Preisentwicklung mit einem Zinsschritt im Dezember, da die Teuerung im Euroraum mit 3,8 Prozent fast doppelt so hoch liegt wie das Ziel der Währungshüter. Auf der Ratssitzung Ende Oktober dürfte der Leitzins dagegen noch unverändert bleiben.

Deutlicher Umschwung bei den Zinserwartungen

Vor wenigen Wochen ging die überwältigende Mehrheit der Marktbeobachter noch davon aus, dass die Notenbank ihren Zinszyklus beendet habe. Nun erwarten fast 90 Prozent der befragten Volkswirte für Dezember eine Anhebung um 25 Basispunkte. Mehr als ein Drittel der Experten hält im weiteren Verlauf sogar einen Einlagensatz von 3,00 Prozent für möglich.

Hinter diesem Stimmungswandel stehen anhaltende Risiken durch die geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine. Steigende Energiepreise drohen den Preisdruck erneut zu verstärken. Parallel dazu wächst die Wirtschaft im Euroraum robuster als erwartet, was den Währungshütern zusätzlichen geldpolitischen Spielraum verschafft.

Debatte über den restriktiven Kurs

Im EZB-Rat gewinnt die Diskussion über weitere Zinsschritte an Gewicht. Notenbanker Primoz Dolenc verweist auf spürbare Aufwärtsrisiken bei den Energie- und Lebensmittelpreisen. Allerdings zeigt die Kerninflation ein vergleichsweise stabiles Bild, während breit angelegte Zweitrundeneffekte auf die Löhne bislang ausgeblieben sind. Steigende Renditen an den europäischen Anleihemärkten tragen bereits dazu bei, die Finanzierungsbedingungen zu straffen.

Der Zinsentscheid am 29. Oktober bringt voraussichtlich noch keine Veränderung für den aktuellen Einlagensatz von 2,50 Prozent. Auf der Sitzung im Dezember stimmen die Notenbanker anhand der neuen Projektionen dann über die nächste Zinserhöhung ab.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.