Liebe Traderinnen und Trader,

die Zinsangst hat sich am Dienstag ein neues Opfer gesucht: die deutschen Wohnungskonzerne. Während die KI-Infrastrukturwerte ihre Verluste am Nachmittag teilweise aufholten, markierte Vonovia ein frisches 52-Wochen-Tief.

Gleichzeitig spaltet sich der Analystenblock, und genau in dieser Spaltung liegt das Trading-Setup. Außerdem in dieser Ausgabe: Deutsche Börse als Gewinner der Umschichtungen, Altcoins mit klaren Chartmarken vor dem Solana-Upgrade und eine Strafe im Commerzbank-Dossier.

Wohnimmobilien: Der Zins frisst die Dividendenrendite

Vonovia fiel im Tagesverlauf auf 15,95 Euro, den tiefsten Stand seit zwölf Monaten, und notiert zuletzt bei 16,57 Euro leicht über Vortag. Vonovia hat seit Jahresbeginn fast ein Drittel verloren, der Abstand zum Februarhoch bei 28,88 Euro ist riesig. Zugleich war Vonovia das meistgehandelte DAX-Papier des Tages.

Belastend wirken die am Montag bekannt gewordenen Berliner Enteignungspläne und vor allem das Zinsumfeld. Die zehnjährige US-Rendite liegt bei 5,14 Prozent, die deutschen Erzeugerpreise stiegen im September um 6,7 Prozent zum Vorjahr. Die ZEW-Erwartungen fielen im Oktober um 6,6 auf 28,1 Punkte, erstmals seit fünf Monaten rückläufig.

Aus derselben Lage ziehen die großen Analystenhäuser gegensätzliche Schlüsse. Morgan Stanley stufte LEG auf „Underweight“ ab, die Aktie verlor zeitweise über 2 Prozent. Goldman Sachs empfahl TAG Immobilien zum Kauf, die Aktie sprang um 5 Prozent auf 10,86 Euro und damit auf Tageshoch.

TAG Immobilien hatte erst am 8. Oktober ein Jahrestief bei 10,15 Euro markiert. Für Vonovia schätzt FactSet eine Dividendenrendite von 7,78 Prozent für 2026, die höchste im DAX.

Die These für Trader: Eine Dividendenrendite nahe 8 Prozent lockt erst, wenn der Anleihemarkt Ruhe gibt, und genau das entscheidet sich nicht in Bochum, sondern am 27. und 28. Oktober bei der Fed. Bis dahin ist das Tief von 15,95 Euro bei Vonovia die Marke, die halten muss. Bei TAG Immobilien wäre ein Schlusskurs über dem Dienstags-Hoch die Bestätigung, dass die Goldman-Empfehlung trägt.

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Deutsche Börse: Die Umschichtungen der anderen sind ihr Umsatz

Wer an der Börse selbst verdienen will, findet in Frankfurt den passenden Wert. JPMorgan bestätigte Deutsche Börse mit „Overweight“. Analyst Enrico Bolzoni begründet das mit einem starken Start der europäischen Börsenbetreiber ins laufende Quartal, im Aktien-Kassageschäft wie im Derivatehandel.

Die Deutsche-Börse-Aktie schloss auf Xetra bei 308,90 Euro mit 0,4 Prozent im Plus, gegen den Markttrend. Ein technisches Modell sieht einen Vier-Wochen-Zielkorridor zwischen 306 und 338 Euro.

Der Blick in den ETF-Handel erklärt, woher die Umsätze kommen. Tech- und Halbleiter-ETFs wurden mit hohen Umsätzen verkauft, globale Aktien-ETFs stellten 40 Prozent des Umsatzes mit klarem Kaufüberhang. Der Nasdaq 100 hat binnen zwei Wochen fast 6 Prozent vom Hoch abgegeben. Dazu kommt ein struktureller Treiber: Das geplante deutsche Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027, 90 Prozent der Banken wollen mitmachen.

Solange die Rotation zwischen Tech und dem Rest des Marktes läuft, verdient Deutsche Börse an beiden Seiten des Geschäfts. Die Unterkante des Korridors bei 306 Euro liegt direkt unter dem Schlusskurs und ist damit der Stopp-Bereich.

KI-Ausrüster: Rekordaufträge reichen nicht mehr

Volle Auftragsbücher schützen nicht mehr vor Abschlägen, wenn die Gewinne nicht mithalten. ABB meldete Rekordaufträge, verfehlte aber die Gewinnerwartungen je Aktie und verlor bis zu 5,7 Prozent in Zürich.

In Frankfurt notiert ABB zuletzt bei 76,92 Euro, gut 4 Prozent unter Vortag, und hat in 30 Tagen rund 12 Prozent eingebüßt. Siemens fiel im Sog auf ein Tagestief von 255,10 Euro und erholte sich im späten Handel auf rund 261 Euro. Hochtief rutschte zeitweise auf 361 Euro.

Der Auslöser kommt aus den USA. Anthropic verhandelt mit dem britischen Rechenzentrumsbetreiber Nscale über einen zweiten Milliardendeal, laut CNBC rund 45 Milliarden Dollar für ein zweites 460-Megawatt-Rechenzentrum in West Virginia.

Barclays-Analyst Featherstone warnt deshalb vor Margendruck bei Rechenzentren-Ausrüstern wie Siemens, Siemens Energy, ABB und Schneider Electric. Dazu kam ein missglückter Börsengang: Die südkoreanische Elice Group fiel beim IPO um fast 30 Prozent unter den Ausgabepreis.

Die Kette ist entscheidend: Wenn KI-Konzerne ihre Rechenleistung in Milliardenpaketen bei wenigen Betreibern einkaufen, verschiebt sich die Preismacht von den Ausrüstern zu den Bestellern. Für Siemens sieht ein technisches Modell einen Vier-Wochen-Korridor von 243 bis 306 Euro, die Quartalszahlen kommen erst am 12. November. Bis dahin bleibt das Tagestief vom Dienstag die Marke, unter der die Korrektur neuen Schub bekäme.

Altcoins: Solana wartet auf Alpenglow, Ethereum auf die Fonds

Bitcoin hält sich bei rund 82.500 Dollar, leicht im Plus, und die Großanleger kaufen: Wallets mit 1.000 bis 10.000 Bitcoin drehten ihre 60-Tage-Bilanz von minus 62.600 auf plus 5.230 Bitcoin. Mehr Bewegung steckt in den Altcoins.

Solana notiert bei knapp 106 Dollar vor dem Alpenglow-Upgrade am Mittwoch, das die Bestätigungszeit von 12,8 Sekunden auf rund 150 Millisekunden senken soll.

Die Chartlage ist eng: Ein Schlusskurs über 106 Dollar öffnet den Weg zu 111 Dollar, der 20-Tage-Schnitt liegt bei 109,47 Dollar. Fällt Solana unter 100 Dollar, ist die Erholung beendet. Der Tages-RSI von 38,8 lässt Luft nach oben.

Ethereum stieg im Tagesverlauf über 2.450 Dollar und notiert zuletzt bei rund 2.437 Dollar, gut 1 Prozent fester. Die Liquidationsdaten stecken das Feld ab: Unter 2.279 Dollar drohen bis zu 801 Millionen Dollar an Long-Liquidationen, über 2.517 Dollar bis zu 727 Millionen Dollar an Shorts.

Das Problem bleiben die Fonds. Seit dem 14. Oktober flossen 362,8 Millionen Dollar aus US-Spot-Ether-ETFs ab, allein BlackRocks ETHA verlor am Montag 95,4 Millionen Dollar. Dagegen stehen Käufer wie BitMine mit 12.535 neuen Ether, und JPMorgan bringt seinen JPM Coin auf Ethereum.

Schwächer präsentieren sich die übrigen Großen. Cardano hat binnen einer Woche rund 12 Prozent verloren und handelt bei 0,2175 Dollar unter der 200-Tage-Linie bei 0,2238 Dollar. Die nächste Unterstützung für Cardano liegt bei 0,2112 Dollar.

XRP notiert bei 1,32 Dollar, knapp über der 1,30er-Marke, mit Unterstützung bei 1,25 bis 1,28 Dollar und Widerstand bei 1,40 Dollar. Für Freitag ist ein Update des XRP Ledgers geplant. Wer in Altcoins handelt, sollte den Kalender kennen: Die US-Inflation stieg im September auf 3,7 Prozent, für Dezember preist der Markt zu rund 75 Prozent eine Fed-Zinserhöhung ein.

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Zwischen Solana-Upgrade, ETF-Abflüssen und Zinserhöhungsängsten stellt sich für Krypto-Anleger vor allem eine Frage: Welche Coins verdienen überhaupt einen Platz im Depot? Der Report „Krypto-X“ nennt drei Kryptowährungen, deren Renditechancen laut Einschätzung sogar über denen von Gold liegen sollen. Die drei Krypto-Empfehlungen anfordern

Commerzbank: Nomura zahlt, die Aktie bröckelt weiter

Die Übernahmegeschichte liefert neue Schlagzeilen, aber keinen Kursimpuls. Nomura muss wegen fehlerhafter Stimmrechtsmitteilungen im Zusammenhang mit der Commerzbank eine Strafe der BaFin zahlen, der Vorgang betrifft den Partner von UniCredit bei der Übernahme. Die Commerzbank-Aktie notiert bei 36,58 Euro, in 30 Tagen hat sie rund 13 Prozent verloren und liegt deutlich unter dem Septemberhoch von 43,34 Euro.

Aus der zweiten Reihe: Deutsche Bank Research bleibt vor den Befesa-Zahlen bei „Hold“ mit Kursziel 39 Euro und erwartet Umsatz und bereinigtes Ebitda jeweils 7 Prozent über Vorjahr. Merck KGaA kündigte die Übernahme von Silence Therapeutics für 20 Dollar je ADR in bar an.

Marschroute

Der DAX verteidigte das Tagestief knapp über 25.000 Punkten und drehte am Nachmittag mit den Nahost-Friedenshoffnungen, Brent kam vom Fünfmonatshoch über 111 Dollar zurück. Nach oben ist 25.400 bis 25.500 der Deckel, nach unten entscheiden 25.000 und die 200-Tage-Linie.

Für die nächsten Sitzungen: Vonovia 15,95 Euro als Tief, TAG über 10,86 Euro, Deutsche Börse mit 306 Euro als Stopp, Siemens mit 255 Euro als Warnmarke.

Solana am Mittwoch über 106 oder unter 100 Dollar, Ethereum zwischen 2.279 und 2.517 Dollar, Bitcoin mit 80.000 als Boden und 83.000 bis 85.000 als Verkaufswand.

Termine: Heute Nacht kommen die Zahlen von Tesla, SAP, Netflix und SpaceX. Am Mittwoch folgen Alpenglow und die US-Öllagerdaten. Am 27./28. Oktober tagt die Fed, am 12. November berichtet Siemens.

Gute Trades,

Ihr Andreas Sommer