Die US-Notenbank dreht wieder an der Zinsschraube, und das Edelmetall gerät prompt unter Druck. Am Mittwochabend fiel der Goldpreis zeitweise um bis zu 1,3 Prozent auf 4.235 Dollar je Feinunze – das tiefste Niveau seit Anfang August. Der Grund für die Kursverluste liegt auf der Hand: Steigende Renditen am Anleihemarkt erhöhen die Opportunitätskosten für eine Anlage, die weder Zinsen noch Dividenden abwirft.
Die Währungshüter hoben den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Es handelt sich um den ersten Zinsschritt nach oben seit Sommer 2023. Nach dem ersten Absacken konnte sich die Notierung zwar wieder leicht auf 4.260 Dollar stabilisieren. Die Erholung der vorangegangenen Wochen ist damit jedoch beendet.
Hinter der Marktreaktion steht vor allem die Sorge vor einer längeren Straffungsphase. Steigen die Zinsen schneller als die Inflationserwartungen, verliert das Edelmetall an Attraktivität gegenüber Staatsanleihen. Ein zulegender Dollar verteuert Gold für internationale Käufer zusätzlich.
Blicke in die Historie zeigen allerdings, dass ein Straffungszyklus nicht zwangsläufig dauerhafte Verluste nach sich zieht. In zehn Zyklen seit 1972 notierte Gold zwölf Monate nach der ersten Anhebung im Schnitt 6,1 Prozent höher. Zudem fangen gewichtige Großabnehmer das Angebot auf: Zentralbanken erwarben im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen des Edelmetalls. Parallel dazu flossen europäischen Goldfonds im August rund 7,9 Milliarden Dollar an Neugeld zu.
Neben den Notenbankkäufen stabilisieren geopolitische Risiken die Notierungen. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die anhaltenden Spannungen an der Straße von Hormus halten das Sicherheitsbedürfnis hoch. Die künftige Entwicklung hängt nun maßgeblich an den Signalen von Fed-Chef Kevin Warsh und der Frage, ob die Notenbank die Zinsen im Jahresverlauf tatsächlich noch weiter anhebt.


