Die globalen Finanzmärkte erleben turbulente Zeiten. Während US-Präsident Donald Trump einen neuen Chef für die Federal Reserve nominiert, stürzt der Dollar auf Mehrjahrestiefs ab. Gleichzeitig zeigen sich die europäischen Volkswirtschaften überraschend widerstandsfähig – doch die Unsicherheit bleibt hoch.
Warsh als neuer Fed-Chef: Zinswende voraus?
Donald Trump hat Kevin Warsh, einen ehemaligen Fed-Gouverneur, als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank nominiert. Die Ankündigung kam kurz nach der jüngsten Fed-Sitzung, bei der die Zinsen im Bereich von 3,50% bis 3,75% unverändert blieben. „Es wird jemand sein, der sehr respektiert wird, jemand, der jedem in der Finanzwelt bekannt ist“, erklärte Trump vielsagend.
Warsh gilt als Befürworter niedrigerer Zinsen – eine Position, die sich mit Trumps öffentlich geäußerten Forderungen deckt. Der Präsident hatte Powell wiederholt dafür kritisiert, die Zinsen nicht aggressiv genug zu senken. Doch Warsh wird auch als weniger radikal eingeschätzt als andere Kandidaten, die zuletzt im Gespräch waren. Seine Nominierung könnte die Unabhängigkeit der Zentralbank neu definieren – ein Thema, das Powell selbst zuletzt als politisch motiviert bezeichnete.
Die Märkte reagierten nervös: US-Futures gaben deutlich nach, während der Dollar kurzfristig von den Tiefs zurückkam. Investoren fragen sich: Wird Warsh tatsächlich den von Trump gewünschten zinspolitischen Schwenk vollziehen?
Inflationsdruck steigt wieder
Die neuesten Produzentenpreisdaten aus den USA deuten darauf hin, dass die Inflation keineswegs besiegt ist. Der Producer Price Index (PPI) kletterte im Dezember um 0,5% – der stärkste Anstieg seit fünf Monaten. Ökonomen hatten lediglich mit 0,2% gerechnet. Besonders auffällig: Die Preise im Dienstleistungssektor schossen nach oben, angetrieben von höheren Margen im Groß- und Einzelhandel sowie explodierenden Kosten für Hotelzimmer und Flugtickets.
„Dieser Bericht bestätigt die Neuausrichtung der Fed weg von den Arbeitsmarktrisiken zurück zur Preisstabilität“, kommentierte Carl Weinberg, Chefvolkswirt bei High Frequency Economics. Tatsächlich zeigen sich erste Durchschläge von Trumps Importzöllen auf die Preise. Unternehmen beginnen, die gestiegenen Kosten an Verbraucher weiterzugeben – wenn auch ungleichmäßig.
Die Kerninflation dürfte im Jahresvergleich bei rund 3,0% liegen, deutlich über dem Fed-Ziel von 2%. Das könnte die Zentralbank zwingen, ihre Zinspolitik länger restriktiv zu halten – ein Szenario, das Warsh bei seiner Amtsübernahme erben würde.
Dollar auf Talfahrt: Starke Rhetorik, schwache Währung
Der Greenback erlebt seinen schlechtesten Jahresstart seit 2018. Trotz Finanzminister Scott Bessents Beteuerung einer „starken Dollar-Politik“ rutschte die US-Währung auf Vierjahrestiefs. Trump selbst zeigte sich entspannt: Der Dollar-Wert sei „großartig“, meinte er auf die Frage, ob die Währung zu stark gefallen sei.
Doch die Schwäche des Dollar ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Zentralbanken von Europa bis Asien könnten gezwungen sein, zu intervenieren, um eine zu starke Aufwertung ihrer Währungen zu verhindern. Ein zu starker Euro oder Yen würde Exporteure unter Druck setzen und das Wachstum abwürgen.
Der Euro kletterte zuletzt über 1,20 Dollar – der höchste Stand seit 2021. Gold und Silber erreichten Rekordniveaus, bevor sie nach der Warsh-Nominierung korrigierten. Gold verlor am Freitag über 3%, bleibt aber mit einem Plus von über 20% im Januar auf Rekordkurs. Die Nervosität an den Märkten spiegelt sich auch in den Edelmetallen wider: Investoren suchen Schutz vor politischer Unsicherheit und Handelsturbulenzen.
Eurozone trotzt den Krisen
Während die USA mit Inflationsdruck und politischer Unsicherheit kämpfen, zeigt sich die Eurozone erstaunlich robust. Deutschlands Wirtschaft wuchs im vierten Quartal um 0,3%, Frankreich legte 0,2% zu, und Spanien – weiterhin Wachstumsmotor der Region – expandierte kräftig um 0,8%. Selbst Italien überraschte positiv.
Die Zahlen signalisieren eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit für eine Region, die eigentlich unter Handelskriegen, chinesischer Konkurrenz und militärischen Konflikten an ihrer Ostgrenze leiden sollte. Statt Export und Industrie treiben nun Konsum und Investitionen das Wachstum.
Besonders Deutschland profitiert von geplanten Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Nach drei Jahren Stagnation könnte die größte Volkswirtschaft der Eurozone ab dem zweiten Quartal neue Impulse setzen – mit Ausstrahlungseffekten auf den gesamten Kontinent.
Die Europäische Zentralbank trifft sich am Donnerstag, und die Frage steht im Raum: Könnte der starke Euro die Inflation weiter dämpfen und weitere Zinssenkungen rechtfertigen? Aktuell liegt die Inflation nahe am 2%-Ziel, und die Stimmungsindikatoren zeigen überraschend positive Signale aus Frankreich und Deutschland.
Britischer Immobilienmarkt schwächelt
Nicht überall in Europa läuft es rund. Großbritanniens Immobilienmarkt schwächelt weiter: Im Dezember wurden nur 61.013 Hypotheken genehmigt – der niedrigste Wert seit 18 Monaten. Die Bank of England hatte mit mehr gerechnet, doch die Unsicherheit vor dem Jahresbudget im November bremste die Kauflust.
„Die Aktivität auf dem Wohnungsmarkt blieb zwischen Budget und Weihnachten verhalten“, erklärte Simon Gammon von Knight Frank Finance. Zwar gibt es erste Anzeichen für eine Trendwende im Januar, doch eine schnelle Erholung erscheint unwahrscheinlich. Hypotheken-Genehmigungen finden typischerweise mindestens einen Monat vor einem Kauf statt – die Dezember-Schwäche deutet also auf anhaltende Flaute hin.
Shutdown abgewendet, Börsen unter Druck
Positiv immerhin: Eine drohende Haushaltssperre in Washington wurde in letzter Minute abgewendet. Demokraten und das Weiße Haus einigten sich darauf, das Budget für das Heimatschutzministerium für zwei Wochen zu verlängern, während über Reformen bei der Einwanderungsdurchsetzung verhandelt wird. Der Tod zweier unbescholteter US-Bürger durch Einwanderungsbeamte hatte die Demokraten auf die Barrikaden gebracht.
Doch die Erleichterung währte nur kurz. Die US-Aktienmärkte gaben nach, belastet von der Unsicherheit über die Fed-Führung und enttäuschenden Zahlen von Microsoft. Apple hingegen glänzte mit starkem iPhone-Wachstum – die Verkäufe stiegen um 23,3%, der beste Wert seit über vier Jahren. Doch selbst Apple kämpft mit Chip-Engpässen, die die Produktion belasten.
Gold und Öl korrigierten von ihren Höchstständen, bleiben aber auf hohem Niveau. Öl könnte weitere Unterstützung durch mögliche US-Militäraktionen gegen Iran erhalten, während Gold von der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit profitiert.
Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden: Wird Warsh tatsächlich Fed-Chef? Wie entwickelt sich die Inflation? Und kann Europa seine Stärke bewahren, während der Dollar schwächelt? Die Märkte bleiben nervös – und das zu Recht.


