Liebe Traderinnen und Trader,

1,25 Prozent: So hoch hat die Bank of Japan ihren Leitzins in dieser Woche gesetzt – der höchste Stand seit 1995. Die Lehrbuch-Reaktion wäre ein stärkerer Yen. Stattdessen erlebte die japanische Währung ihren schlechtesten Tag seit Dezember, der USD/JPY-Kurs sprang auf rund 158. Wer sich darüber wundert, hat die Fed vergessen: Die hat ihren Leitzins zuletzt ebenfalls angehoben, auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Und solange dieser Abstand so groß bleibt, entscheidet nicht die Richtung der japanischen Zinspolitik über den Yen, sondern die Zinsdifferenz zu den USA.

Der Yen-Rückschlag: Warum die BoJ-Zinserhöhung den Carry Trade nicht bremst

Für Trader heißt das konkret: Das Yen-Carry-Trade-Geschäft bleibt attraktiv. Investoren leihen sich weiterhin günstig in Yen, um in höher verzinste Anlagen zu investieren – und genau dieser Mechanismus hat in den vergangenen Tagen auch Bitcoin zurück über 80.000 Dollar getragen. Pantheon Macroeconomics rechnet bis Ende 2027 mit einem BoJ-Zins von 1,75 Prozent, der Markt spekuliert bereits auf den nächsten Schritt im Dezember. Das ist die eigentliche Botschaft der Woche: Solange die Carry-Trade-Logik intakt bleibt, bekommen Risikoassets weiter Rückenwind. Kippt die Wahrnehmung jedoch – etwa durch eine schnellere BoJ-Serie als erwartet –, kann sich dieser Rückenwind abrupt umkehren. Die Kryptomärkte zeigen davon aktuell wenig, aber genau deshalb gehört das Thema auf die Beobachtungsliste, nicht ins Archiv.

Verfallstag und Frankreich-Spread: Zwei Belastungsfaktoren für den DAX

Am großen Verfallstag ist der DAX unter die Marke von 25.300 Punkten gerutscht, der EuroStoxx 50 gab ähnlich deutlich nach. Ein Teil der Erklärung liegt gar nicht in Frankfurt, sondern in Paris: Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen kletterte über 100 Basispunkte – ein Niveau, das es seit 2012 nicht mehr gegeben hat. Das ist kein französisches Randproblem, sondern ein Belastungsfaktor für die gesamte Eurozone, und er erklärt einen guten Teil der europäischen Risikoscheu an diesem Verfallstag. Dazu passt eine zweite Zahl: Der Anstieg der deutschen Erzeugerpreise hat sich im August beschleunigt – ein Fingerzeig, dass der Inflationsdruck von der Kostenseite eben nicht verschwunden ist.

Unter den Einzelwerten geriet SAP im Handelsverlauf unter Druck und notiert damit weiterhin deutlich unter dem im Herbst 2025 erreichten Rekordhoch von 242 Euro. Der Softwarekonzern bleibt damit ein Fall für Geduld, nicht für schnelle Trades. Gegen den Trend lief Infineon: Tagesgewinner im DAX, eine Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Euro, ein Jahresplus von 48 Prozent. Die Chip-Story ist also alles andere als ausgereizt – sie wird nur selektiver gehandelt.

Siltronic: UBS sieht deutlich mehr Potenzial im Waferhersteller

Ein Lichtblick unter den Halbleiterwerten: UBS hat das Kursziel für Siltronic von 105 auf 120 Euro angehoben. Charttechnisch sehen die Analysten eine Unterstützung bei 68 Euro und eine obere Trendlinie bei 81 Euro, für Ende Dezember wird zusätzlich eine Unterstützungszone bei 59 Euro genannt. Der Titel wurde am Verfallstag kräftig gekauft und näherte sich damit wieder der oberen Trendlinie. Wer die Aktie bereits im Depot hat, sollte die 81-Euro-Marke als kurzfristigen Prüfstein behandeln: Ein Ausbruch darüber würde die UBS-These vom Turnaround bestätigen, ein Rückfall unter 68 Euro würde sie infrage stellen.

RWE setzt auf Laserfusion: Ein Baustein für die Energiewende-Story

Abseits der Tagesbewegungen lohnt der Blick auf eine Wette mit langem Zeithorizont. RWE investiert 60 Millionen Euro in den Standort Biblis, wo das Start-up Focused Energy das weltweit erste Laserfusionskraftwerk bauen will – lokale Temperaturen von bis zu 200 Millionen Grad Celsius sind das erklärte Ziel. Focused Energy hatte im Frühjahr 240 Millionen Dollar in einer Series-A-Runde eingesammelt. Für RWE, das gerade ein neues 52-Wochen-Hoch markiert hat und binnen zwölf Monaten rund 71 Prozent zulegte, ist das kein kurzfristiger Kurstreiber. Es ist aber ein Signal, dass der Versorger seine Energiewende-Wette diversifiziert – ein Baustein, der die fundamentale Story hinter dem Kursanstieg stützt, auch wenn er den Kurs am Montag nicht bewegen wird.

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Die RWE-Wette zeigt, wie eng Energieversorgung und Zukunftstechnologien inzwischen verzahnt sind – ein Punkt, der auch beim Live-Webinar „FUM Der WATT-CODE“ morgen um 18:00 Uhr im Zentrum steht. Carsten Müller ordnet dort ein, warum über 200 Gigawatt an Netzanschluss-Anfragen die deutschen Stromnetze an ihre Grenzen bringen und welche fünf Unternehmen von diesem Nadelöhr profitieren könnten – eines davon wird bereits am 21. September in den S&P 500 aufgenommen. Jetzt zum kostenlosen Webinar anmelden

Deutz kauft FFG: 1,6 Milliarden Euro für Wachstum durch Übernahme

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Dass Energieinfrastruktur zum knappen Gut wird, zeigt sich nicht nur bei RWE. Die Bundesnetzagentur baut derzeit sogar eine Notfallplattform auf, um im Ernstfall gezielt Großverbrauchern wie Rechenzentren den Strom abschalten zu können – Grund sind über 200 Gigawatt an Netzanschluss-Anfragen, weit mehr, als die Netze aktuell liefern können. Im Live-Webinar „FUM Der WATT-CODE“ ordnet Carsten Müller morgen um 18:00 Uhr ein, wie es zu diesem Engpass kam, und stellt fünf Unternehmen vor, die genau an diesem Nadelöhr sitzen. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Auch bei den Nebenwerten tut sich etwas: Motorenbauer Deutz plant die Übernahme von FFG für 1,6 Milliarden Euro. Die Aktie hatte erst vor einer Woche ein neues 52-Wochen-Hoch markiert und liegt seit Jahresbeginn rund 43 Prozent im Plus. Für Anleger entscheidet sich die eigentliche Kursreaktion nicht an der Ankündigung, sondern an den Details, die in den kommenden Wochen folgen: Wie finanziert das Management den Deal, und belastet die Integration die operative Marge? Bis diese Fragen beantwortet sind, bleibt der Titel ein Momentum-Wert mit offenem Ausgang.

Marschroute

Der Zins-Gleichlauf von Fed und BoJ bleibt der Taktgeber für die kommende Woche: Solange USD/JPY über 157 notiert, spricht wenig gegen anhaltenden Carry-Trade-Rückenwind für Risikoassets, Bitcoin eingeschlossen. Am Aktienmarkt verdienen zwei Marken einen Alarm im Depot: Siltronic an der 81-Euro-Trendlinie und SAP im Hinblick darauf, ob sich die Konsolidierung unter dem alten Rekordhoch stabilisiert. Und die Frankreich-Spreads gehören ab sofort auf jede Watchlist, die europäische Risikoassets enthält – ein weiterer Anstieg des Renditeaufschlags wäre ein Warnsignal für den gesamten EuroStoxx, nicht nur für Paris.

Wer jetzt ins Wochenende geht, nimmt am besten diese drei Levels mit ins Kopfkino: 157 beim Yen, 81 Euro bei Siltronic, 100 Basispunkte beim Frankreich-Spread.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer