Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihre Leitzinsen am Mittwoch in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Entwarnung bedeutet das für den Anleihemarkt allerdings nicht. Weil die Notenbank die US-Wirtschaft nun als „stark“ statt zuvor als „solide“ einstuft, wächst an den Märkten die Sorge vor anhaltendem Inflationsdruck und weiter steigenden Zinsen zum Jahresende.
Während Fed-Chef Kevin Warsh den aktuellen geldpolitischen Kurs als wirksam bezeichnete und Signale für eine vorsichtigere Gangart andeutete, reagierten die Märkte zweigeteilt. Am kurzen Ende der Zinskurve sanken die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen um rund sechs Basispunkte. Anleger an den Terminmärkten preisen eine weitere Zinserhöhung im Dezember dennoch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 78 Prozent ein.
Steile Zinskurve belastet lange Laufzeiten
Am langen Ende der Kurve setzte unmittelbar Verkaufsdruck ein. Anleger fordern angesichts des robusten Wirtschaftswachstums und hoher Haushaltsdefizite eine höhere Risikoprämie für das Halten langfristiger Papiere. Der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen weitete sich in der Folge auf bis zu 34,1 Basispunkte aus.
Besonders die Renditen ab fünf Jahren Laufzeit gerieten unter Aufwärtsdruck. Wenn die US-Konjunktur trotz restriktiver Finanzierungsbedingungen keine deutlichen Ermüdungserscheinungen zeigt, schrumpft der Spielraum der Notenbank für künftige Zinssenkungen drastisch.
Seltenere Treffen ab dem kommenden Jahr
Für zusätzliche Irritation sorgte die Ankündigung, die Sitzungsstruktur des Offenmarktausschusses anzupassen. Im kommenden Jahr soll eine der acht regulären Sitzungen ausschließlich der Strategie dienen und keinen Zinsbeschluss fassen. Für 2028 sind sogar zwei reine Strategiesitzungen vorgesehen, was die Zahl der Zinsentscheide auf sechs pro Jahr reduziert.
Längere Abstände zwischen den Zinsterminen erhöhen das Gewicht jedes einzelnen Beschlusses. An den Terminmärkten verkompliziert diese veränderte Taktung die Absicherung von Zinsrisiken, da Preisfestlegungen für Zinsderivate eng an die bisherigen Tagungszyklen gekoppelt sind.
Der nächste geldpolitische Zinsentscheid der Federal Reserve steht im Dezember an. Bis dahin dürften vor allem neue Inflationsdaten und Konsumzahlen bestimmen, ob die Notenbank die Zinsen tatsächlich ein weiteres Mal anhebt.


