Hinter dem einstimmigen Beschluss der US-Notenbank zur jüngsten Zinserhöhung schwelt eine Debatte über den weiteren geldpolitischen Kurs. Das heute Abend erscheinende Protokoll der September-Sitzung dürfte offenlegen, wie tief die Differenzen zwischen Befürwortern weiterer Straffungen und Anhängern einer abwartenden Haltung reichen. Die Märkte haben ihre Zinserwartungen vor dem nächsten Zinsentscheid Ende Oktober bereits deutlich nach unten angepasst.
Uneinigkeit hinter geschlossenen Türen
Mitte September hob die Federal Reserve ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Fed-Chef Kevin Warsh begründete den Schritt damit, dass der Wirtschaft geldpolitische Unterstützung entzogen werden müsse. Das Inflationsziel von 2,0 Prozent sei noch nicht gesichert.
In den offiziellen Projektionen sprachen sich damals 16 von 18 Notenbankern für mindestens eine weitere Zinsanhebung vor Jahresende aus. Allerdings gingen die Meinungen über das Tempo weit auseinander. Während Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan mindestens zwei weitere Schritte forderte, mahnten andere Währungshüter zu größerer Geduld.
Datenwende stärkt vorsichtige Stimmen
Seit dieser Zinssitzung hat sich das wirtschaftliche Umfeld spürbar eingetrübt. Die Inflation stieg im August weniger stark als erwartet, während der Stellenaufbau im September hinter den Prognosen zurückblieb. Vertreter wie John Williams, Präsident der New Yorker Fed, und Fed-Vize Philip Jefferson betonten daraufhin, dass keine Eile für eine erneute Anhebung bestehe.
Die Zinsmärkte reagierten prompt auf den veränderten Tonfall. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinspause bei der kommenden Notenbanksitzung beziffern die Terminmärkte mittlerweile auf 80,6 Prozent.
Vor der nächsten Zusammenkunft am 27. und 28. Oktober erhält die Fed noch den Verbraucherpreisindex für September. Diese Teuerungsdaten liefern dem Führungsgremium die Grundlage zur Schätzung des maßgeblichen PCE-Preisindex – und werden ausschlaggebend dafür sein, ob die Währungshüter ihre Zinsen unmittelbar vor den US-Kongresswahlen tatsächlich unverändert lassen.


