Die Hoffnung auf dauerhaft sinkende Zinsen verflüchtigt sich an den Finanzmärkten. Hartnäckiger Preisdruck zwingt Währungshüter in den USA und Großbritannien dazu, weitere Anhebungen der Leitzinsen vorzubereiten. Verantwortlich dafür sind vor allem nachwirkende Zölle und kräftig steigende Energiekosten infolge des Konflikts im Nahen Osten.
Währungshüter warnen vor verfestigter Inflation
In den USA signalisieren führende Notenbanker bereits die nächste Straffung. Erst vor gut einer Woche hatte die Federal Reserve ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Nun betonen Vertreter der Notenbank, dass ein weiterer Schritt bis zum Jahresende angemessen sein dürfte.
Die US-Inflation lag im Juli bei einer Jahresrate von 3,7 Prozent, gemessen am PCE-Preisindex. Das Ziel von 2,0 Prozent bleibt damit klar verfehlt. Marktbeobachter verweisen darauf, dass wiederholte Angebotsschocks das Risiko vergrößern, dass sich übergeordnete Teuerungserwartungen bei Unternehmen und Verbrauchern dauerhaft einnisten.
Auch in London wächst der Druck auf die Zinsen
Parallel dazu deutet sich bei der Bank of England eine Kursänderung an. Nachdem die britischen Währungshüter ihren Leitzins in der Vorwoche noch bei 3,75 Prozent belassen hatten, erwägen mehrere Ratsmitglieder nun offen ein Umdenken. Anhaltend hohe Energiepreise drohen die Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Preisen zu verstärken.
Die britische Notenbank rechnet damit, dass die Inflation Anfang des kommenden Jahres über 4,0 Prozent steigen könnte. Am Terminmarkt preisen Händler eine Anhebung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt für die Novembersitzung bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent ein. Ein weiterer Zinsschritt gilt an den Märkten bis Februar als vollständig eingepreist.
Renditen an den Anleihemärkten steigen
Die Aussicht auf eine fortgesetzte geldpolitische Straffung schlägt direkt auf die Kapitalmärkte durch. Weltweit gerieten Staatsanleihen unter Verkaufsdruck, was die Renditen spürbar nach oben trieb. In den USA kletterte die Rendite für 30-jährige Papiere auf den höchsten Stand seit 2004, während deutsche und französische Benchmark-Renditen Niveaus erreichten, die zuletzt in den Jahren 2007 und 2008 verzeichnet wurden.
Am Freitag stehen mit den US-Auftragseingängen für langlebige Güter sowie dem Konsumklima der Universität Michigan frische Konjunkturdaten an. Zudem äußert sich Bank-of-England-Gouverneur Andrew Bailey öffentlich, während mehrere Fed-Präsidenten Reden halten.


