Die Federal Reserve steht am heutigen Mittwoch vor ihrer ersten Zinserhöhung seit 2023. Der Leitzins dürfte um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent steigen. Damit widersetzt sich Fed-Chef Kevin Warsh den öffentlichen Forderungen von US-Präsident Donald Trump, der wiederholt Zinssenkungen verlangt hatte.
An den Terminmärkten liegt die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für diese Straffung bei rund 90 Prozent. Ausschlaggebend für den Kurswechsel ist die anhaltende Teuerung. Der von der Notenbank bevorzugte Preisindex für persönliche Konsumausgaben lag im Juni und Juli bei einer Jahresrate von 3,7 Prozent — spürbar über der Zielmarke von zwei Prozent.
Hohe Renditen und teure Energie treiben die Notenbank
Verstärkt wird der Preisdruck durch die Energiekosten. Rohöl notiert infolge der Spannungen im Nahen Osten über der Marke von 100 Dollar je Barrel. Parallel dazu kletterte die Rendite richtungsweisender zehnjähriger US-Staatsanleihen am Dienstag auf bis zu 5,03 Prozent, den höchsten Stand seit 2007.
Am Mittwochmorgen gaben diese Renditen leicht auf 4,99 Prozent nach. US-Finanzminister Scott Bessent versuchte zuletzt vergeblich, den Anstieg der Kreditkosten über erweiterte Rückkaufprogramme für Staatsanleihen einzudämmen. Ein direktes Eingreifen der Zentralbank zur Deckelung der Renditen gilt an den Märkten als unwahrscheinlich, da ein solcher Schritt dem Ziel einer schrumpfenden Notenbankbilanz widerspräche.
Der Zinspfad rückt ins Zentrum
Entscheidend für Anleger wird sein, wie das Führungsgremium der Notenbank die künftige Zinsentwicklung skizziert. In den vorangegangenen Projektionen vom Juni war das Komitee gespalten: Neun von 19 Mitgliedern hielten höhere Zinsen für notwendig, neun erwarteten unveränderte oder niedrigere Sätze.
Stuft die Führung der Notenbank den aktuellen Zinsschritt lediglich als isolierte Anpassung ein, drohen am langen Ende der Zinskurve weitere Verkäufe von Staatsanleihen. Verbindliche Hinweise auf die kommenden Monate liefern die aktualisierten Zinsprojektionen am Mittwochabend sowie die anschließende Pressekonferenz von Notenbankchef Warsh.


