Die US-Notenbank schlägt wieder einen restriktiveren Kurs ein. Mit der ersten Zinserhöhung um 25 Basispunkte seit mehr als drei Jahren stemmt sich die Federal Reserve gegen den anhaltenden Preisdruck. Der Schritt treibt die Renditen von Staatsanleihen weltweit nach oben und verleiht dem US-Dollar neuen Auftrieb.
Ausschlaggebend für die Marktreaktion war das klare Signal von Fed-Chef Kevin Warsh. Trotz wiederholter Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach raschen Zinssenkungen bekräftigte Warsh den Willen der Währungshüter, den Inflationsdruck einzudämmen. Marktbeobachter werten die Entscheidung als Bestätigung der geldpolitischen Unabhängigkeit. Die Furcht vor politischer Einflussnahme auf die Zinsentscheide hat sich damit vorerst gelegt.
Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs
Die Auswirkungen zeigten sich umgehend an den Rentenmärkten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Wochenverlauf auf 5,03 Prozent. Das markiert den höchsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2008.
Der Anstieg der US-Renditen strahlt über die Landesgrenzen hinaus. Internationale Investoren reduzierten im Zuge der Zinswende ihr Risiko in Schwellenländern. Indische Staatsanleihen gerieten dadurch unter Abgabedruck und verbuchten den fünften wöchentlichen Verlust in Serie.
Parallel dazu profitierte die US-Währung von den veränderten Zinserwartungen. Der US-Dollar-Index legte binnen einer Woche um mehr als 1 Prozent zu. Marktstrategen beobachten, dass Devisenhändler höhere Renditen derzeit nicht als Belastung für die US-Wirtschaft ansehen, solange das Inflationsrisiko beherrschbar bleibt.
Globaler Zinsdruck nimmt zu
Die US-Notenbank steht mit ihrer Gangart international nicht allein da. Weltweit sehen sich Zentralbanken durch teure Energie zu restriktiven Maßnahmen veranlasst. Am Freitag hob die Bank of Japan ihren Leitzins auf 1,25 Prozent an. Das entspricht dem höchsten Stand seit 31 Jahren.
Andere Notenbanken bereiten sich ebenfalls auf weitere Schritte vor. Bei der Bank of England stimmten drei Ratsmitglieder für eine Erhöhung, auch wenn der Leitzins zunächst bei 3,75 Prozent verharrte. Gouverneur Andrew Bailey warnte davor, dass geopolitische Spannungen im Nahen Osten eine noch straffere Zinspolitik notwendig machen könnten.
An den Terminmärkten wird mittlerweile mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 57 Prozent ein weiterer US-Zinsschritt bei der nächsten Sitzung im Oktober erwartet. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei etwa 42 Prozent. Solange der Preisdruck anhält, bleibt der weltweite Spielraum für Zinssenkungen vorerst verschlossen.


