Der in der Schweiz ansässige Eisenerzförderer Ferrexpo steht vor einer kritischen Phase, die über die unmittelbare Zukunft des Unternehmens entscheiden dürfte. Nach der Einstellung der Produktion vor rund drei Wochen rückt eine entscheidende Frist näher: Die verfügbaren Barmittel des Konzerns reichen nach eigenen Angaben nur noch bis Mitte September 2026 aus.
Ohne eine zeitnahe Zufuhr von frischem Kapital in Höhe von mindestens 100 Millionen US-Dollar droht dem Unternehmen, das vorwiegend in der Ukraine operiert, die Zahlungsunfähigkeit.
Existenzbedrohende Forderungen aus der Ukraine
Zusätzlich zur prekären Cash-Lage sieht sich die Konzerneinheit Poltava Mining mit massiven finanziellen Forderungen konfrontiert. Medienberichten von Anfang August zufolge erwägen die ukrainischen Steuerbehörden eine Strafe in Höhe von etwa 35,3 Milliarden Hrywnja, was umgerechnet rund 788 Millionen US-Dollar entspricht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, gegen staatliche Devisenkontrollvorschriften verstoßen zu haben.
Diese potenzielle Belastung trifft Ferrexpo in einer Situation, in der der operative Spielraum bereits nahezu auf Null gesunken ist. Die Geschäftsführung betonte bereits im Vorfeld, dass der Verlust der Kontrolle über Poltava Mining oder ein erzwungener Verkauf von Vermögenswerten die Überlebensfähigkeit der gesamten Gruppe materiell beeinträchtigen würde.
Eine geplante Kapitalerhöhung wird vom Board derzeit als die einzige tragfähige Lösung angesehen, die innerhalb des erforderlichen Zeitrahmens umsetzbar wäre.
Logistikkollaps nach Drohnenangriffen
Der operative Stillstand, der am 5. August eingeleitet wurde, ist eine direkte Folge der eskalierenden Sicherheitslage im Schwarzen Meer. Ende Juli wurde ein mit rund 55.000 Tonnen hochwertigen Pellets beladenes Schiff Ziel eines russischen Drohnenangriffs. Bei dem Vorfall kam ein Besatzungsmitglied ums Leben. Infolge dieses Angriffs stellten Reedereien ihre Dienste für die Region ein und stornierten bereits geplante Schiffsankünfte.
Ferrexpo sah sich daraufhin gezwungen, die Exportroute über das Schwarze Meer auf unbestimmte Zeit zu schließen. Da keine weiteren Verladungen in absehbarer Zeit erwartet werden können, wurde die Produktion in den Minen- und Pelletieranlagen vorübergehend ausgesetzt.
Bereits im ersten Halbjahr 2026 zeichnete sich der Abwärtstrend deutlich ab: Die Eisenerzproduktion sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 54 Prozent auf 1,55 Millionen Tonnen. Während sich die Produktion von DR-Pellets auf 163.200 Tonnen verdoppelte, brach das Volumen bei den Premium-Pellets um 41 Prozent auf 1,22 Millionen Tonnen ein.
Handel an der Londoner Börse weiterhin ausgesetzt
Für Anleger bleibt die Situation zusätzlich dadurch erschwert, dass die Aktien von Ferrexpo bereits seit dem 1. Mai nicht mehr an der London Stock Exchange (LSE) gehandelt werden. Die Aussetzung des Listings erfolgte, da das Unternehmen die Fristen für die Veröffentlichung des geprüften Jahresberichts 2025 nicht einhalten konnte. Ursächlich hierfür waren unter anderem nicht erfüllte Bedingungen neuer Kreditgeber bis Ende April.
Die Zeit bis Mitte September bleibt nun die kritische Spanne für die Unternehmensführung, um die notwendige Finanzierung von 100 Millionen US-Dollar sicherzustellen.
Zuvor hatte der Verkauf des Transportschiffs „Iron Destiny“ für netto 7,7 Millionen US-Dollar lediglich einen kurzen Zeitaufschub ermöglicht, um den Liquiditätsengpass von Ende August auf den aktuellen Termin im September zu verschieben.
Ob eine Einigung mit Investoren oder Kreditgebern unter den aktuellen militärischen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen erzielt werden kann, ist die zentrale Frage für den Fortbestand des Konzerns.
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