Die britische Finanzaufsicht FCA lässt den Börsenhandel der Ferrexpo-Aktie weiter ruhen. Grund ist das Fehlen des testierten Jahresabschlusses für 2025. Für den Eisenerzproduzenten wird die Zeit knapp: Ende Juni droht die Liquiditätslücke.

Die operative Lage ist desaströs. Im ersten Quartal 2026 fiel die Produktion auf 592.750 Tonnen – ein Einbruch von 72 Prozent im Jahresvergleich. Nur eine von vier Pelletieranlagen läuft noch. Die zerstörte ukrainische Energieinfrastruktur macht den Betrieb fast unmöglich.

Nur noch 22 Millionen Dollar verfügbar

Das Geld schmilzt dahin. Ende März hielt Ferrexpo 35 Millionen Dollar in bar. Abzüglich blockierter Mittel bei der Schweizer MBaer Merchant Bank bleiben netto 22 Millionen.

Das Management rechnet damit, dass die Reserven nur bis Ende Juni reichen. Um die Lücke zu schließen, hat das Unternehmen bereits Notmaßnahmen eingeleitet. Das Transportschiff „Iron Destiny“ soll für 7,7 Millionen Dollar verkauft werden. Hinzu kommen Arbeitszeitverkürzung und ein Stopp aller nicht notwendigen Investitionen.

Ein großes Problem bleibt der ukrainische Staat. Ukrainische Behörden schulden Ferrexpo 80 Millionen Dollar an ausstehenden Umsatzsteuer-Erstattungen.

Hunderte Millionen fehlen

Das Unternehmen braucht mindestens 100 Millionen Dollar frisches Eigenkapital, um die nächsten 18 Monate zu überbrücken. Es gab zwar Interessensbekundungen von Investoren – die übersteigen die Summe sogar. Doch die Angebote waren an Bedingungen geknüpft, die Ferrexpo nicht innerhalb der Frist erfüllen konnte.

Der Großaktionär Fevamotinico Sarl hält 49,32 Prozent und signalisiert grundsätzliche Unterstützung. Vorausgesetzt, er kann anteilig mitziehen. Doch ohne geprüfte Bilanz und ohne Bestätigung der Unternehmensfortführung durch den Abschlussprüfer bleibt jede Kapitalerhöhung blockiert. Und der Handel an der Londoner Börse bleibt ausgesetzt.

Hauptversammlung ohne Substanz

Für Ende Juni hat Ferrexpo zur Hauptversammlung geladen. Sie wird ein Formalkrampf. Ohne den Jahresbericht 2025 kann nur Routine abgehakt werden: Wiederwahl der Aufsichtsräte. Die entscheidenden Punkte – Bestellung des Prüfers, Vergütungsbericht – sind vertagt.

Eine gesonderte Aktionärsversammlung soll folgen, sobald die testierten Zahlen vorliegen. Einen Zeitplan gibt es nicht. Vor dem Handelsstopp am 1. Mai notierte die Aktie bei 28,58 Pence. Ein Kurs, der inzwischen nur noch historischen Wert hat.