Die Lage beim Eisenerzproduzenten Ferrexpo spitzt sich drastisch zu. Eine massive Steuerforderung aus der Ukraine bringt das Unternehmen in akute Bedrängnis. Parallel dazu stehen die Räder in den wichtigsten Werken des Konzerns derzeit still.

Vorwurf der Devisenvergehen

Die ukrainischen Steuerbehörden fordern von der Tochtergesellschaft Ferrexpo Poltava Mining eine Nachzahlung von rund 788 Millionen US-Dollar. Das entspricht etwa 35,3 Milliarden Ukrainischen Hrywnja. Die Behörden werfen dem Unternehmen vor, gegen strenge Devisenkontrollen verstoßen zu haben.

Diese Regeln wurden nach dem Einbruch der russischen Invasion verschärft. Sie verkürzen die Fristen für die Abrechnung von Exportgeschäften erheblich. Der Prüfungsbericht deckt den Zeitraum von Juli 2021 bis Ende 2025 ab.

Das Management weist die Vorwürfe entschieden zurück und spricht von Verfahrensfehlern. Die Behörden hätten bestehende Schiedssprüche zu Exportverträgen ignoriert. Ferrexpo hat bereits Widerspruch eingelegt und bereitet sich auf den Rechtsweg vor.

Produktion am Boden

Die Steuerstrafe trifft das Unternehmen in einer existenziellen Krise. Erst am Vortag stoppte Ferrexpo die Gewinnung und Pelletierung in der Ukraine komplett. Die anhaltende Gefahr von Angriffen nahe der Schwarzmeerhäfen macht die Logistik unmöglich.

Die Folge ist ein massiver Druck auf das Betriebskapital. Aktuell beliefert der Konzern europäische Kunden nur noch aus bestehenden Vorräten. Die Liquidität reicht nach internen Schätzungen lediglich bis Mitte September 2026.

Handel in London ausgesetzt

An der Londoner Börse herrscht bereits seit Mai 2026 Funkstille. Der Handel mit den Aktien ist ausgesetzt, da Ferrexpo keinen geprüften Jahresbericht für 2025 vorlegen konnte. Die juristischen Konflikte in der Ukraine machen eine ordnungsgemäße Prüfung derzeit unmöglich.

Der Indexanbieter Solactive hat die Aktie bereits mit einem Wert von null aus seinen Benchmarks gestrichen. Um das Überleben zu sichern, plant das Management eine Kapitalerhöhung über 100 Millionen US-Dollar. Davon hängt ab, ob der Betrieb jemals wieder aufgenommen werden kann.