Ein ukrainisches Gericht hat den früheren obersten Richter des Landes, Vsevolod Kniaziev, zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Fall dreht sich um ein Bestechungssystem in Höhe von 2,7 Millionen Dollar — und führt direkt zu Ferrexpo.

Der verurteilte Richter soll Urteile beeinflusst haben, die den Geschäften von Kostyantyn Zhevago nützten. Zhevago ist Gründer und Mehrheitsaktionär des Eisenerzproduzenten. Das Unternehmen selbst operiert zwar weiter, doch der Fall zeigt: Die rechtlichen Risiken um die Eigentümerstruktur bleiben hoch.

Handel ausgesetzt, Jahresabschluss fehlt

Seit Mai 2026 ruht der Handel mit Ferrexpo-Aktien an der Londoner Börse. Die britische Finanzaufsicht setzte die Notierung auf Antrag des Unternehmens aus. Grund: Der geprüfte Jahresbericht für 2025 kam nicht fristgerecht.

Die Hauptversammlung im Juni 2026 wird nur Routinepunkte behandeln. Die geprüften Zahlen fehlen weiter. Der Grund dafür sind die laufenden Verfahren in der Ukraine und ungeklärte Finanzierungsfragen. Der Abschlussprüfer kann die „Going-Concern“-Annahme derzeit nicht bestätigen.

Wenig Geld, viele Baustellen

Ferrexpo kämpft mit akuten Liquiditätsproblemen. Die frei verfügbaren Barmittel reichen nach aktuellem Stand nur noch bis Ende Juni. Das Unternehmen versucht, die Zeit zu strecken:

  • Verkauf des Erzfrachters „Iron Destiny“: 7,7 Millionen Dollar netto.
  • Geplante Kapitalerhöhung: Mindestens 100 Millionen Dollar für die nächsten 18 Monate.
  • Sparmaßnahmen: Nur ein Pelletband läuft. Investitionen und Arbeitszeiten wurden reduziert.

Gelingt beides — Schiffsverkauf und Kapitalerhöhung —, reicht die Liquidität laut Unternehmen etwa bis August 2026. Ein knapper Puffer.

Anker in der Nische

Trotz der Sperrung bleibt Ferrexpo ein bedeutender Produzent von hochwertigen Eisenerzpellets. Diese sind für die CO₂-arme Stahlproduktion wichtig. Analysten heben das Potenzial hervor — unter der Bedingung, dass die Berichtsprobleme gelöst werden.

Ob der Handel wieder aufgenommen wird, hängt von zwei Faktoren ab: dem geprüften Jahresabschluss und dem Ausgang des Insolvenzverfahrens gegen die Tochter Poltava Mining. Ein Insolvenzverwalter ist bereits eingesetzt. Die Muttergesellschaft wehrt sich in ukrainischen Gerichten gegen die zugrundeliegenden Forderungen.