Ferrexpo PLC steht vor einer existenziellen Liquiditätskrise und könnte bereits in wenigen Wochen zahlungsunfähig sein. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, reichen die verfügbaren Barmittel voraussichtlich nur noch bis Mitte September 2026 aus.

Um den Fortbestand zu sichern, ist der Bergbaukonzern entweder auf eine kurzfristige neue Finanzierung oder die sofortige Wiederaufnahme der vollständigen maritimen Verschiffung angewiesen. Letztere wird jedoch weiterhin durch russische Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen blockiert.

Produktionsstopp und logistische Blockaden

Die operative Lage hat sich im August drastisch verschlechtert. Bereits am 7. August stellte Ferrexpo die gesamte Eisenerzförderung und Pelletproduktion in seinen ukrainischen Betrieben ein. Auslöser für diesen Schritt waren massive logistische Störungen im Schwarzen Meer sowie ein Zwischenfall mit einem Frachtschiff.

Ein Schiff, das mit Pellets des Typs „DR-grade“ beladen war, geriet in eine Gefahrenzone, konnte aber am vergangenen Mittwoch lokalisiert werden. Es wird derzeit zur Inspektion in einen Hafen geschleppt.

Trotz dieser Bergung bleibt der Betrieb in den Minen und Verarbeitungsanlagen vollständig ausgesetzt. Dies markiert einen harten Bruch zum vorherigen Quartalsverlauf.

Noch im zweiten Quartal 2026 hatte Ferrexpo die Produktion um 63 Prozent auf 963.409 Tonnen Eisenerz steigern können, getrieben von einer zwischenzeitlichen Erholung der Pelletfertigung. Diese Fortschritte wurden durch die jüngste Eskalation der Kampfhandlungen und die Blockade der Exportrouten zunichtegemacht.

Steuerstrafen und drohende Insolvenz

Zusätzlich zu den operativen Ausfällen lastet ein massiver juristischer und finanzieller Druck auf dem Konzern. Die ukrainischen Steuerbehörden belegten die Hauptbetriebstochter Ferrexpo Poltava Mining (FPM) am 10. August mit einer Geldstrafe in Höhe von rund 788 Millionen US-Dollar.

Den Behörden zufolge wurden Devisenkontrollbestimmungen missachtet. Das Unternehmen hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt und wirft den Behörden prozedurale Fehler vor.

Die Ratingagentur Fitch bestätigte am vergangenen Mittwoch die Bewertung für Ferrexpo mit der Note „CC“. Die Experten verwiesen dabei auf die erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich der Fortführung der Geschäftstätigkeit. Ein wesentlicher Grund für das schwache Rating ist das laufende Insolvenzverfahren gegen die Tochtergesellschaft FPM, das den gesamten Konzern belastet.

Anleger ziehen Konsequenzen aus Governance-Mängeln

Auch auf der Investorenseite schwindet das Vertrauen in den Rohstoffproduzenten. Am Montag gab Pzena Investment Management bekannt, dass sich der Pzena International Small Cap Focused Value Fund vollständig von seiner Beteiligung an Ferrexpo getrennt hat. Der Vermögensverwalter begründete den Ausstieg mit einer sich verschlechternden Governance, was die Risiken für Aktionäre zusätzlich erhöhe.

Kann Ferrexpo unter diesen Umständen die Kurve bekommen? Medienberichten zufolge wurde das durchschnittliche Kursziel für das Papier am vergangenen Mittwoch deutlich von 0,96 auf 0,80 Britische Pfund gesenkt.

Die Analysten reagierten damit auf die düsteren Umsatzprognosen für das Geschäftsjahr 2025 und die unmittelbare Gefahr eines Liquiditätsabrisses. Ohne eine schnelle Lösung der Transportblockaden oder eine Kapitalspritze bleibt der Spielraum für das Management bis Mitte September äußerst begrenzt.