Der ukrainische Bergbaukonzern Ferrexpo steht vor einer existenzbedrohenden Krise. Laut Berichten der Financial Times treiben die Spannungen zwischen der ukrainischen Regierung und dem Großaktionär Kostyantyn Zhevago das Unternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Demnach verbleiben dem Miner nur noch wenige Wochen, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Der Konflikt zielt offenbar darauf ab, den Einfluss des Oligarchen Zhevago, der 49 Prozent der Anteile über das Unternehmen Fevamotinico hält, endgültig zu brechen.

Akuter Finanzbedarf bis Mitte September

Die finanzielle Lage des Unternehmens hat sich dramatisch zugespitzt. Medienberichten zufolge muss Ferrexpo bis Mitte September mindestens 100 Millionen US-Dollar an frischem Kapital aufbringen, um den laufenden Betrieb sicherzustellen. Die Liquiditätsreserven sind hingegen nahezu erschöpft: Zum Stichtag Ende Juni verfügte der Konzern lediglich über liquide Mittel in Höhe von 27 Millionen US-Dollar.

Dieser finanzielle Engpass hat bereits direkte Auswirkungen auf das operative Geschäft. Im laufenden Monat August musste die Produktion vollständig eingestellt werden. Die angespannte Lage spiegelt sich auch in der Marktbewertung wider. Während die Kapitalisierung des Unternehmens in der Vergangenheit bei rund 3 Milliarden US-Dollar lag, ist sie inzwischen auf etwa 200 Millionen US-Dollar eingebrochen.

Politischer Konflikt und sanktionierte Eigentümer

Der Kern der Krise liegt in einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem ukrainischen Staat. Kostyantyn Zhevago unterliegt bereits seit Februar 2025 offiziellen Sanktionen. In der Folge wurden wichtige finanzielle Zuflüsse für das Unternehmen blockiert. So wurden im März die Rückerstattungen der Mehrwertsteuer (NDS) durch die ukrainischen Behörden gestoppt, was den Cashflow von Ferrexpo massiv beeinträchtigt hat.

Beobachter werten das Vorgehen Kiews als Versuch, den sanktionierten Großaktionär aus dem Unternehmen zu drängen. Der Druck auf den Miner wird dabei auf mehreren Ebenen erhöht, wobei die rechtlichen und finanziellen Daumenschrauben immer enger angezogen werden.

Für Anleger stellt sich die Situation als hochriskantes Szenario dar, da die Fortführung des Unternehmens ohne eine Einigung mit den staatlichen Stellen oder eine externe Kapitalspritze kaum möglich scheint.

Massive Steuerforderungen belasten das operative Geschäft

Zusätzlich zu den Liquiditätsproblemen und den politischen Spannungen sieht sich Ferrexpo mit immensen Nachforderungen konfrontiert. Im August wurde gegen die Tochtergesellschaft Poltava Mining eine Steuerstrafe in Höhe von 788 Millionen US-Dollar verhängt. Diese Summe übersteigt die derzeitige Marktkapitalisierung des gesamten Konzerns um ein Vielfaches und verschärft das Risiko eines vollständigen Zusammenbruchs.

Bereits im Mai war der Handel mit den Papieren des Unternehmens zeitweise ausgesetzt worden, nachdem die Verweigerung von Prüfungen zu Unregelmäßigkeiten geführt hatte. Angesichts der Kombination aus Produktionsstopp, blockierten Steuererstattungen und der drohenden Frist im September steht der Konzern vor seiner bisher schwersten Belastungsprobe.

Ob die benötigten 100 Millionen US-Dollar unter den aktuellen Sanktionsbedingungen und dem immensen rechtlichen Druck rechtzeitig beschafft werden können, gilt am Markt als äußerst ungewiss.