Ein ukrainisches Gericht verurteilt einen Ex-Richter wegen Bestechung zugunsten von Ferrexpo. Internationale Haftbefehle gegen den Großaktionär rücken näher. Und die Kasse ist fast leer. Der Eisenerzproduzent kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig.
Ex-Richter verurteilt — Ferrexpo mittendrin
Am 26. Juni 2026 fällte der Hohe Antikorruptionsgerichtshof der Ukraine ein Urteil gegen Wsewolod Knjasew, den früheren Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs. Fünf Jahre Haft, Vermögenseinzug. Der Grund: Knjasew nahm Bestechungsgeld an, um eine Entscheidung zugunsten von Ferrexpo zu beeinflussen.
Konkret ging es um einen 40,19-Prozent-Anteil an der Poltawa Mining and Processing Plant — der wichtigsten Tochtergesellschaft des Konzerns. Die Bestechung sollte sicherstellen, dass diese Anteile unter der Kontrolle von Gesellschaften bleiben, die dem Hauptaktionär nahestehen. Das Urteil verschärft die ohnehin komplexen Eigentumsstreitigkeiten rund um die ukrainischen Bergbauaktivitäten.
Haftbefehl gegen Großaktionär
Parallel dazu leiteten ukrainische Ermittler Gerichtsverfahren ein, um Personen aus dem Umfeld der Unternehmensführung auf eine internationale Fahndungsliste zu setzen. Milliardär und Mehrheitsaktionär Kostjantin Zhevago gilt als Verdächtiger in einem Ermittlungsverfahren wegen Veruntreuung bei der inzwischen insolventen Finance & Credit Bank.
Die ukrainischen Behörden wollen außerdem fast die Hälfte der Bergbauvermögenswerte in Staatsbesitz überführen. Ferrexpo hat sich bisher gegen diesen Schritt gewehrt.
Kasse fast leer, Börsennotierung in Gefahr
Die rechtlichen Probleme treffen ein finanziell angeschlagenes Unternehmen. Mitte April 2026 lagen die verfügbaren Barmittel bei rund 17 Millionen Dollar. Ursache: Die Ukraine hat Mehrwertsteuerrückerstattungen ausgesetzt. Ferrexpo hat dadurch eine ausstehende Nettoforderung von 90,3 Millionen Dollar.
Der Konzern versucht, mindestens 100 Millionen Dollar frisches Kapital aufzunehmen. Die Verzögerungen dabei haben bereits Warnungen vor einer Aussetzung der Londoner Börsennotierung ausgelöst. Den Verkauf des Transhipment-Schiffs Iron Destiny für netto rund 7,7 Millionen Dollar nutzte das Unternehmen als kurzfristigen Puffer — mehr nicht.
Produktion auf einem Viertel der Vorkriegskapazität
Der Betrieb läuft auf Sparflamme. Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur haben drei der vier Pelletierlinien außer Betrieb gesetzt. Im ersten Quartal 2026 produzierte Ferrexpo 593.000 Tonnen — etwa ein Viertel der Kapazität vor Kriegsbeginn.
An der Londoner Börse schloss die Aktie zuletzt bei 28,58 Pence. Der Kurs hat seit Jahresbeginn massiv nachgegeben. Nun hängt viel davon ab, ob das Unternehmen seine geprüften Jahresergebnisse für 2025 rechtzeitig vorlegen kann — andernfalls droht eine längere Handelsaussetzung.
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