Ein kräftiges Produktionsplus von 63 Prozent im zweiten Quartal sollte eigentlich für Erleichterung sorgen. Die Realität bei Ferrexpo sieht jedoch düsterer aus. Raketenangriffe auf die Hafenstruktur bei Odessa gefährden den gesamten Export des ukrainischen Eisenerzproduzenten.

Logistik am Limit

Aktuell betreibt Ferrexpo nur eine von vier Pellet-Produktionslinien. Jede weitere Störung der Infrastruktur trifft das Unternehmen daher unmittelbar beim Cashflow. Ohne funktionierende Häfen bleiben die hochwertigen Eisenerz-Pellets im Land liegen.

Die Erholung der Fördermengen steht damit sofort wieder auf dem Spiel. Analysten bewerten die Lage als äußerst fragil. Der Konzern benötigt die maritimen Korridore zwingend, um Stahlkocher auf dem Weltmarkt zu beliefern.

Schwere Vorwürfe aus Österreich

Zu den operativen Sorgen kommt juristischer Druck aus Europa. In Österreich läuft seit dem 17. Juli eine parlamentarische Anfrage zur Finanzstruktur des Konzerns. Behörden prüfen Vorwürfe von möglichem „Offshore-Asset-Stripping“.

Im Kern geht es um den Verdacht, dass Eisenerz aus der Ukraine unter Marktpreis an Zwischenhändler in der Schweiz verkauft wurde. Dies belastet das Vertrauen der Investoren zusätzlich. Die Aktie ist an der Londoner Börse bereits seit Mai 2026 vom Handel ausgesetzt.

Liquidität schwindet

Finanziell wird die Luft dünn. Ende Juni verfügte Ferrexpo über rund 27 Millionen US-Dollar an freien Barmitteln. Das Management rechnet damit, dass dieses Geld nur bis zum Beginn des vierten Quartals 2026 reicht.

Parallel dazu verschärft eine Klage vor dem Obersten Gerichtshof der Ukraine die Lage. Es geht um Forderungen in Höhe von umgerechnet 105 Millionen US-Dollar. Außerdem hält der ukrainische Staat Mehrwertsteuerrückerstattungen von etwa 90 Millionen Dollar zurück.

Der Vorstand plant eine Kapitalerhöhung von mindestens 100 Millionen US-Dollar. Erst nach dieser Finanzspritze und der Vorlage der geprüften Jahreszahlen für 2025 kann der Handel in London wieder starten. Ferrexpo muss nun beweisen, dass die Logistikkette trotz des Krieges stabil bleibt.