Ein Rekordumsatz, eine angehobene Jahresprognose – und trotzdem ein zweistelliger Kurseinbruch. Figma hat mit seinen Quartalszahlen gezeigt, wie unversöhnlich der Markt reagiert, sobald KI-Investitionen die Marge auffressen. Die Aktie brach nachbörslich um bis zu 16 Prozent ein und zog binnen Stunden Softwarewerte und asiatische Chiphersteller mit nach unten.

Kosten fressen Rekordumsatz auf

Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 48 Prozent auf 370,1 Millionen US-Dollar – das dritte Quartal in Folge mit beschleunigtem Wachstum und über der eigenen Prognose. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 8 Cent doppelt so hoch wie von Analysten erwartet. Unter dem Strich rutschte Figma nach US-Rechnungslegung dennoch in einen operativen Verlust von 117,3 Millionen US-Dollar, nach einem kleinen Gewinn im Vorjahresquartal.

Der Grund liegt in den Kosten. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben haben sich mehr als verdoppelt, die gesamten Betriebskosten kletterten auf 426,9 Millionen US-Dollar. Figma begründet den Anstieg auch mit höheren Vertriebs- und Marketingausgaben rund um die eigene Nutzerkonferenz Config. Die Free-Cashflow-Marge sank von 24 auf 14 Prozent – ein Signal, das Anleger offenbar schwerer wiegt als die reine Wachstumsrate.

Abkühlung im Ausblick belastet zusätzlich

Für das dritte Quartal rechnet Figma mit einem Umsatz zwischen 373 und 375 Millionen US-Dollar. Das entspräche im Mittelwert nur noch 36 Prozent Wachstum – deutlich weniger als die 48 Prozent aus dem abgelaufenen Quartal. Die Jahresprognose wurde zwar auf 1,463 bis 1,467 Milliarden US-Dollar angehoben, was rund 39 Prozent Jahreswachstum entspräche. Genau diese angedeutete Verlangsamung reichte aus, um Anleger zu verunsichern, die zuletzt mit einer Fortsetzung der Beschleunigung kalkuliert hatten.

Positive Signale gab es trotzdem: Die Nettodollarbindungsrate lag bei 136 Prozent, die Zahl der Kunden mit mehr als 10.000 US-Dollar Jahresumsatz wuchs um 34 Prozent. Firmenchef Dylan Field verweist auf neue Funktionen wie Code Layers und den Figma-Agenten, mit denen das Unternehmen Design, Code und KI-Werkzeuge auf einer Oberfläche bündeln will. Finanzchef Praveer Melwani nannte das Quartal das erste vollständige mit Monetarisierung von KI-Guthaben – mehr als 80 Prozent der größeren Kunden nutzen diese inzwischen wöchentlich.

Ausverkauf springt auf Chipwerte über

Der Kursrutsch blieb nicht auf Figma beschränkt. Salesforce verlor im späten Handel 4,7 Prozent, ServiceNow 3,2 Prozent, Intuit 2,7 Prozent und Adobe 1,8 Prozent. Über Nacht griff die Sorge vor explodierenden KI-Kosten auf Asien über: SK Hynix schloss knapp 10 Prozent tiefer, Samsung Electronics verlor gut 6 Prozent, Tokyo Electron mehr als 5 Prozent und SoftBank über 4 Prozent. Auch Kioxia und Advantest gerieten deutlich unter Druck.

Der Markt fürchtet offenbar, dass die Ausgaben für neue KI-Produkte schneller wachsen als deren Erlöse – bei Figma ebenso wie bei den Zulieferern, die bislang zu den größten Profiteuren des KI-Booms zählten. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren, wenn selbst ein Unternehmen mit angehobener Prognose und Rekordumsatz derart abgestraft wird.

Der nächste belastbare Test folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal. Erst dann zeigt sich, ob sich das Wachstumstempo tatsächlich auf 36 Prozent abschwächt oder ob die eigene Prognose – wie schon in den Vorquartalen – erneut zu vorsichtig angesetzt war.