Finanzmärkte zum Ende der Winterzeit: Erdbeben

Erdbeben an der Börse
Erdbeben an der Börse
 

Auf einen vielversprechenden Jahresauftakt folge sowohl ein hastiger Absturz an den Finanzmärkten als auch Veränderungen im Leben des Bürgers. Gerne möchte ich Sie heute an meinen Gedanken teilhaben lassen. 

War es nur ein Auslöser, der das Fass zum Überlaufen brachte und den schwarzen Schwan aus seinem Versteck lockte? Handelsstreit, Krise am Ölmarkt, Corona-Virus – und die Preise für Aktien und Öl sind gefallen wie ein Stein: schnell und erbarmungslos. Die Abwärtsspirale wurde in Gang gesetzt, wobei massenhaft Stopp-Loss-Aufträge ausgeführt worden sein dürften und Algorithmen ihre Dienste verrichteten. Wie wirkte sich dies aus?

Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Nervosität in den Märkten, überrascht-besorgte Anleger, starke Kurschwankungen, Stabilisierungsversuche und Zwischenerholungen nach Einbrüchen. Die Nachrichtenlage sollte eine wichtige Rolle spielen für weitere Verläufe. Die zeitliche Dauer für das Zurückfinden in einen intakten Aufwärtstrend kann wohl eher nicht verlässlich prognostiziert werden, genauso wenig wie das Risiko weiterer Wellen nach Süden. 

Nach Tagen mit teils extremen roten Vorzeichen: Kampf um die nachhaltige Rückeroberung der 10.000er Marke beim deutschen Leitindex, Gold und Silber auf Erholungskurs, Anleihen sind gefragt.  Banken und Börsen haben geöffnet, Bankautomaten spucken weiterhin Noten aus. Werden es die Zentralbanken wieder richten? Geld ist vermehrbar. Aber wie lange wird das alles dauern und wann sind die Kurse wieder auf Höchstständen? Investoren aus dem In- und Ausland werden höchstwahrscheinlich eines Tages zurückkehren um deutsche Aktien zu kaufen.

Weltweiter Börsencrash im Anmarsch 20180206
Weltweiter Börsencrash im Anmarsch 20180206

Ein kurzer Blick auf einige Märkte und deren ca. Performance  auf Sicht 1 Monat (Quelle: w:o, 27.03.2020 am Vormittag):

  • DAX: -22 Prozent
  • Eurostoxx 50: -20 Prozent
  • ATX: -29 Prozent
  • SMI: -11 Prozent
  • Dow Jones: -16 Prozent
  • S&P 500: -16 Prozent
  • Nikkei: -13 Prozent
  • Gold: -0,5 Prozent
  • Silber: – 18 Prozent
  • Öl (Brent): -45 Prozent
  • Heizöl: – 32 Prozent 

Gold und Silber genießen den Ruf eines sicheren Hafens in Krisenzeiten. Dennoch haben auch die Edelmetalle Federn gelassen. Verkäufe erfolgen meistens  wenn flüssige Mittel benötigt werden oder für Umschichtungen. Silber ist sowieso quasi auf der Strecke stehengeblieben, preislich nicht mit dem steigenden Goldpreis mitgezogen. Diesen Monat ging es sogar runter bis nahezu  11,50! Sinkt die Industrienachfrage, kann die Nachfrage nach Silber und anderen Rohstoffen vermindert sein.  

Ist Bitcoin eine Alternative wenn es an den anderen Märkten kracht? Aufgrund mangelnder Erfahrungswerte bisher ein Fragezeichen. Es hat sich nun gezeigt, dass die virtuelle Währung im Krisenmodus nicht  verschont blieb und mit in die Tiefe gerissen wurde. Chancen auf Preissteigerungen? Das nächste Halving soll Berichten zufolge jetzt im Mai stattfinden.

Anleger haben unzählige Möglichkeiten, um in verschiedenste Anlageklassen zu investieren. Was ist mit Kaffee, Kakao, Weizen, Mais, Zucker….

Es gibt immer noch Menschen auf der Welt die hungern. Ist die Spekulation auf Nahrungsmittel eigentlich ethisch?

Profitiert der Endverbraucher von diesen stark gefallen Öl/Heizölpreisen gleichermaßen? Die  Benzinpreise sind gefallen und das Tanken an den Zapfsäulen ist günstiger geworden. Sind die Heizölpreise für Konsumenten adäquat den Marktpreisen angepasst – oder ist da noch einiges Luft nach unten?

Gewinner und Verlierer der Coronakrise

Wie wirkt sich die aktuelle Krise aus monetärer Sicht für Anleger oder Sparer aus?

Sparer, die kein Depot unterhalten und folglich keine börsennotierten Produkte im Bestand haben, stattdessen ihr Geld auf Girokonto oder Geldmarktkonto zum quasi Nullzins parken, dürfte der aktuelle Crash an den Aktienmärkten nicht tangieren. Das Geld ist noch da und zwar in voller Höhe.

Warum die German Angst die Anleger ärmer macht
Warum die German Angst die Anleger ärmer macht

Kann eine Bankenkrise kommen – und sind in dem Fall die Ersparnisse auf der Bank sicher? Bankeinlagen von Kunden sind bis 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Es steht grundsätzlich Jedermann frei, sein Geld auf verschiedene Kreditinstitute zu verteilen, ob im Inland oder Ausland ansässig. Neben dem Euro gibt es auch noch andere Währungen. Es kann in der nationalen und internationalen Finanzbranche durchaus wackelige Finanzinstitute geben, denen eventuell im Bedarfsfall mit staatlichen Geldern unter die Arme gegriffen werden muss. Aber es gibt auch vielerorts die Genossenschaftsbanken und Sparkassen, die zusätzlich über eigene Sicherungseinrichtungen verfügen im Verbund oder Verband. Auskünfte zu den abgesicherten Produkten sowie allgemeine Informationen zum Thema können bei den Instituten erfragt werden. Bankenruns mögen vielleicht von einzelnen Leuten als eher unwahrscheinlich eingestuft werden, dennoch sind sie bereits geschehen. 

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Spekulanten können Preise in die Höhe treiben. Besitzer großer Pakete bzw. große Adressen können aber auch Preise runterdrücken durch Betätigung des Verkaufsknopfes. Der kleine Anleger darf mitmachen im Börsengeschehen in guter Hoffnung, mit seinem eingesetzten Kapital Gewinne zu erwirtschaften. Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt haben sind Sieger sofern die Spekulation aufgeht. Die meisten Deutschen halten keine Einzelaktien. Gelder werden aber durchaus in ETFs/Fonds investiert als Einmalanlage oder diese Produkte werden regelmäßig bespart. Fonds sind teurer als ETFs, aber gerade in einer Krise sollte sich das Können eines Fondsmanagement zeigen. 

Verlierer, zumindest zeitweise, dürfen diejenigen Anleger sein, die zu Höchstkursen gekauft haben und ihre Papiere noch halten. Unterschieden werden muss zwischen Buchverlusten und realisierten Verlusten. Wann der jeweilige Einstandskurs eine Aktie wieder erreicht sein wird dürfte eine unbekannte Variable sein. Vielleicht erholen sich einzelne Märkte/Produkte schnell wieder, vielleicht auch nicht. 

Sofern ein Anleger nicht aus freien Stücken langfristig an eine Aktie gebunden sein will inklusive  Durchleben aller Marktschwankungen mitsamt dem Risiko, dass sich die Aktie nicht erholt oder unter Umständen erst nach langer Zeit, dann hilft wohl nur eines: rechtzeitig verkaufen, SL setzen – vorzugsweise wenn sich massive Trendumkehrungen oder Crashgefahren ankündigen. Gewinne mitnehmen, Verluste begrenzen, Durchhalteparolen von Dritten meiden. Bargeld auf dem Konto verschafft Sicherheit und Flexibilität, damit weitergewirtschaftet werden kann. Letztendlich ist das Timing von Kauf und Verkauf doch wichtig, wenngleich nicht immer der optimale Zeitpunkt erwischt wird.

Verzweiflung macht sich breit
Anleger sind verzweifelt

Für einen Neueinstieg in die Welt der Aktien kann ein Börsencrash eine gute Gelegenheit sein: zum Kauf einzelner Produkte oder um Aktien-und Fondsparplänen zu starten auf mittel- bis langfristigen Anlagehorizont. Einstiegschancen werden offeriert für Aktien, mit denen man bereits liebäugelt hat, die begutachtet wurden und auf dem persönlichen Favoritenwunschzettel stehen. Wer kauft nicht gerne zum halben Preis? Ein Kauf in mehreren Tranchen wäre nicht die schlechteste Idee, damit für eventuelle Nachkäufe oder zum verbilligen noch ausreichend Cash vorhanden ist bei aussichtsreichen Gelegenheiten. Ein Blick auf Langfrist-Charts bringen die Erkenntnis, dass die Aktienmärkte nach Einbrüchen auch irgendwann wieder gestiegen sind. Wobei Vergangenheitsbezogene Daten nicht zwingend auch die Zukunft wiederspiegeln müssen. Wahrscheinlichkeiten und Annahmen, eigene oder von Experten, können eintreten oder auch nicht. Die Welt verändert sich. 

Das Leben in der Krise und deren Auswirkungen

Gerade in unsicheren Zeiten dürfte es auf der Hand liegen, dass die Menschen versuchen den Gürtel enger zu schnallen: Unnütze Ausgaben vermeiden, nicht dringend benötigte Verträge kündigen, Geld zusammenhalten. Bargeld ist König. Es stellt sich die Frage, wie der Arbeitsmarkt sich entwickeln wird. Ist mit Einstellungsstopps, vorzeitige Entlassungen in die Rente, Kurzarbeit, Verzicht auf Zeitarbeitspersonal zu rechnen? Manche Arbeitnehmer sind leichter zu kündigen als andere. Beim Eintritt von Arbeitslosigkeit oder Gehaltseinbußen müssen Leute nicht selten an ihre Reserven oder ggf. den Weg zum Amt antreten. Bei weniger verfügbarem Geld in der Kasse können neben den monatlich anfallenden Fixkosten Schulden das Leben erschweren wie die Abzahlung von Ratenkrediten, Konsumkredite, Immobilienkredite. Menschen, die staatliche Gelder beziehen wie Hartz4, sollten ihr Geld auch in der Krise wie gewohnt erhalten. Für Rentner eine gute Nachricht: im Juli 2020 findet die nächste Rentenerhöhung statt. 

Die künftigen Zahlen werden Auskunft geben über die Situation eines Unternehmens. So manche Kleinbetriebe und Firmen aller Art und Größe dürften sich speziell in diesen Tagen auseinandersetzen mit Themen wie Einsparmöglichkeiten, Kostensenkung, Finanzierungsmöglichkeiten, Rücklagenauflösung, Dividendenkürzung/Streichung, Anpassung von  Gewinnprognosen. Eine Krise fordert für gewöhnlich leider auch Opfer. Früher war vieles Made in Germany mit sozusagen Selbstversorgung, indem Produkte im eigenen Land hergestellt wurde. Heute, in Zeiten der Globalisierung, lassen Firmen doch gerne  im Ausland produzieren. Güter und Waren werden teils aus der Ferne importiert und dieser Umstand ist mit Abhängigkeit verbunden. Falls die bestellten Waren nicht oder nicht pünktlich geliefert werden, dann hat das meist Konsequenzen. Ist man eigentlich selbst schuld, wenn man alles aus dem Ausland bezieht? Überwiegend Artikel online bestellt und sich dann wundert, warum die kleinen Geschäfte mitsamt Personal und Beratungstätigkeit aus dem Stadtbild verschwinden?

Für Schnäppchenjäger können sich in Krisenzeiten Chancen eröffnen bzw. günstige Einkaufsmöglichkeiten. Nicht nur für börsennotierte Produkte wie Aktien, sondern auch zum Beispiel ganze Firmen oder Immobilien aus Zwangsversteigerungen. 

Welche Unternehmen könnten ihre Umsätze steigern?

Beim Einkaufen in den letzten Wochen lässt sich feststellen, dass einige Artikel schnell vergriffen sind und sich offenbar einer großen Beliebtheit erfreuen. Dazu zählen z.B. haltbare Lebensmittel, Fertiggerichte in Dosen, Wasser, Hygieneartikel wie Toilettenpapier und Wischpapier, Desinfektionsmittel, Mehl, Zucker, Hefe. Arzneimittel, Vitaminpräparate, Reinigungsmittel und viele anderer Produkte werden im täglichen Leben benötigt und folglich in guten und schlechten Tagen gekauft. Zum Schutz tragen die Menschen derzeit Einmalhandschuhe und Mundschutz – und wie heißt es doch so schön: gequalmt und gesoffen wird immer.

Shopping am Cyber Monday
Shopping am Cyber Monday

Langeweile zu Hause?

Das muss nicht sein. Es gibt genügend Beschäftigungsmöglichkeiten und freie Zeiten können sinnvoll genutzt werden. Zum Beispiel kann man sich weiterbilden mit Fachbücher oder Online-Kursen. Hobbys nachgehen, Aufräumen, Entrümpeln, Freunden und alten Bekannten mal wieder ein paar nette Zeilen schreibe, Älteren Menschen und Kranken helfen im Rahmen eigener Möglichkeiten. Finanzen ordnen: z.B. Neustrukturierung des Ablagesystems, Überprüfung bestehender Verträge,  Einholung von Angeboten. Ein Spaziergang an der frischen Luft belebt die Seele und stärkt zugleich das Immunsystem.

Kommen Sie gut durch die Krise und bleiben Sie gesund!

Ihre Anita Görner

Hinweis: Dieser Beitrag beinhaltet meine persönliche Meinung als privater Anleger, Hobby-Börsianer, Börseninteressierter und wurde von mir auf Freizeitbasis erstellt ohne Gewähr auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit. Keine Anlageberatung, keine Handelsempfehlung.

Anita Görner
Über Anita Görner 17 Artikel
Als "Eulenblick" enthält diese Kolumne einen unverfälschten und wachen Blick auf die internationalen Finanzmärkte. Dabei kommt weder der DAX, noch der Euro zu kurz. Das große Rundum-Bild, welches nur eine "Finanzeule" wahrnehmen kann, wird somit in regelmäßigen Abständen hier exklusiv skizziert.

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