Frankreichs Bonität gerät weiter unter Druck. Die Ratingagentur Fitch hat den Ausblick für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone von stabil auf negativ gesenkt. Damit droht in den kommenden Monaten eine Herabstufung der aktuellen Note von A+. Ausschlaggebend für die Neubewertung sind steigende Finanzierungskosten, wachsende Haushaltsdefizite und ein erlahmendes Wirtschaftswachstum.
Am Anleihemarkt spitzte sich die Lage in den vergangenen Wochen spürbar zu. Zeitweise kletterte die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen auf mehr als 5,1 Prozent, den höchsten Wert seit 24 Jahren. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich parallel dazu auf über 1,7 Prozentpunkte aus.
Zuletzt beruhigte sich das Geschehen an den Märkten wieder etwas. Der negative Bonitätsausblick löste keinen neuen Renditeschub aus. Die strukturellen Probleme des Landes bleiben allerdings ungelöst. Neben den hohen Zinskosten erschweren die politische Zersplitterung und soziale Spannungen eine wirksame Konsolidierung der Staatsfinanzen.
Wachsende Schuldenlast und Zinsausgaben
Die Haushaltslage engt den Handlungsspielraum der Regierung in Paris spürbar ein. Für das laufende Jahr wird ein Haushaltsdefizit von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet. Die gesamte Staatsverschuldung nähert sich indes der Marke von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Eine rasche Entlastung zeichnet sich nicht ab, zumal die französische Wirtschaft im dritten Quartal schrumpfte. Nach Schätzungen von Fitch dürften die Zinszahlungen bis 2028 auf 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern. Im laufenden Budgetprozess drohen weitere Zugeständnisse, die Einsparungen verwässern könnten.
Mit der Bewertung A+ liegt Fitch auf einer Linie mit S&P Global Ratings, die Frankreichs Note bereits im Vorjahr auf dieses Niveau herabgesetzt hatten. Moody’s hält die Einstufung mit Aa3 zwar noch eine Stufe höher, behält wegen der anhaltenden innenpolitischen Spannungen jedoch ebenfalls einen negativen Ausblick bei.
Spätestens bis Ende Februar 2027 steht bei Fitch die nächste reguläre Überprüfung an. Bis dahin wird sich an den anstehenden Haushaltsbeschlüssen messen lassen, ob die Regierung die Dynamik der Staatsverschuldung stabilisieren kann.


