Der rechte Senator Flávio Bolsonaro hat die erste Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl gewonnen und geht als Favorit in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Nach Auszählung fast aller Stimmen sicherte sich der 45-Jährige rund 47 Prozent. Lula kam auf knapp 45 Prozent und lag damit mehr als zwei Millionen Stimmen zurück.
Die Vorabumfragen hatten noch einen Vorsprung Lulas von rund drei Prozentpunkten signalisiert. Nun entscheidet der zweite Wahlgang am 25. Oktober über die Führung der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas.
Fiskalische Sorgen prägen das Votum
An den Finanzmärkten sorgte das Ergebnis für Rückenwind: Brasiliens Währung und der Aktienmarkt legten im Vorfeld der Entscheidung zu, gestützt auf die Erwartung einer wirtschaftsfreundlicheren Politik. Lula kämpfte im Wahlkampf vor allem mit der Unzufriedenheit über hohe Lebenshaltungskosten und die Verschuldung privater Haushalte, obwohl Arbeitslosigkeit und Ungleichheit während seiner Amtszeit gesunken waren.
Die brasilianische Regierung hatte ihre Wachstumsprognosen zuletzt auf 2,0 Prozent für dieses Jahr und 2,3 Prozent für das kommende Jahr gesenkt. Parallel dazu schränken fiskalische Risiken den Spielraum ein.
Die Staatsverschuldung kletterte zuletzt über 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Während Lula auf Staatsinvestitionen und Sozialprogramme setzt, verspricht Bolsonaro Ausgabenkürzungen und einen schlankeren Staat.
Rechte Mehrheit im Senat stärkt Herausforderer
Bolsonaros Ausgangslage verbessert sich auch durch die parallel abgehaltenen Parlamentswahlen. Das rechte Lager sicherte sich die meisten Sitze im Senat und stellt dort künftig die größte Fraktion. Unter anderem gewannen Michelle Bolsonaro im Bundesdistrikt Brasília und Carlos Bolsonaro im Bundesstaat Santa Catarina jeweils Senatssitze.
Diese Mehrheitsverhältnisse dürften die Durchsetzung wirtschaftspolitischer Vorhaben erleichtern, sollte Bolsonaro die Stichwahl gewinnen. Marktbeobachter verweisen zudem auf ein historisches Muster: Seit der Rückkehr zu direkten Wahlen im Jahr 1989 gewann bei allen sieben Stichwahlen stets der Kandidat, der bereits im ersten Wahlgang vorne gelegen hatte.
Für Lula wird der Urnengang am 25. Oktober damit zur rechnerischen Hürde, da er einen Großteil der Stimmen der im ersten Durchgang ausgeschiedenen konservativen Bewerber auf sich vereinen müsste.


