Frankreichs Staatsfinanzen geraten an den Finanzmärkten unter deutlichen Druck. Der Risikoaufschlag für zehnjährige französische Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterte am Donnerstag auf 173,58 Basispunkte. Das markiert den höchsten Zinsabstand seit der Hochphase der europäischen Staatsschuldenkrise im November 2011.
Auslöser der Verkäufe sind anhaltende Zweifel an der Sanierung der öffentlichen Finanzen in Paris sowie innenpolitische Spannungen. Für das bevorstehende Wochenende bereitet sich die Regierung auf erneute Straßenproteste vor und kündigte neben zusätzlichen Polizeikräften auch den Einsatz von Militär an. Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatspapiere stieg um 11,5 Basispunkte auf 5,11 Prozent – ein Niveau, das zuletzt im Juli 2002 erreicht worden war.
Selbst eine unerwartete Stimmungsaufhellung in der französischen Industrie vermochte den Abgabedruck nicht zu stoppen. Neben den Schwierigkeiten bei der Verabschiedung eines Haushalts lastet auch die politische Unsicherheit vor den anstehenden Präsidentschaftswahlen auf den Kursen.
Zinsdruck erfasst weitere europäische Staaten
Deutsche Bundesanleihen profitierten derweil von der Flucht in verlässliche Werte. Die Rendite der zehnjährigen Bunds sank um vier Basispunkte auf 3,38 Prozent. Bei den Schuldtiteln anderer Länder der Währungsunion weiteten sich die Abstände dagegen spürbar aus. Belgiens Renditeaufschlag kletterte auf 111,28 Basispunkte und damit auf den höchsten Stand seit 2012.
In Italien stieg der Zinsabstand gegenüber Bunds auf 123 Basispunkte, während Griechenland einen Spread von 102 Basispunkten verzeichnete. Marktbeobachter verweisen zwar darauf, dass europäische Institutionen heute krisenfester aufgestellt sind als vor 15 Jahren, sehen im wieder erstarkenden Euroskeptismus jedoch eine Hürde für gemeinsame Gegenmaßnahmen.
Verstärkt wird die Belastung durch die Entwicklung am Rohstoffmarkt. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg am Donnerstag über die Marke von 112 Dollar je Barrel. Verteuerte Energie schürt die Inflationssorgen und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik, was hoch verschuldete Staaten vor zusätzliche Refinanzierungsprobleme stellt.
An den Geldmärkten zogen die Erwartungen an den weiteren Zinspfad entsprechend an. Für den Leitzins der Europäischen Zentralbank, der derzeit bei 2,50 Prozent liegt, rechnen die Märkte bis Ende 2027 mit einem Anstieg auf 3,26 Prozent. Für die Dezember-Sitzung liegt die Zinserwartung bereits bei 2,73 Prozent.


