Frankreichs Risikoprämie klettert auf Stand der Euro-Krise

Politische Unsicherheit und Haushaltsprobleme treiben französische Anleiherenditen; auch in Belgien und Italien steigen die Risikoaufschläge.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Frankreichs Renditeabstand erreicht 173,58 Basispunkte
  • Zehnjährige französische Anleihen rentieren mit 5,11 Prozent
  • Belgiens Risikoaufschlag auf höchstem Stand seit 2012
  • Brent-Ölpreis steigt über 112 Dollar je Barrel

Frankreichs Staatsfinanzen geraten an den Finanzmärkten unter deutlichen Druck. Der Risikoaufschlag für zehnjährige französische Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterte am Donnerstag auf 173,58 Basispunkte. Das markiert den höchsten Zinsabstand seit der Hochphase der europäischen Staatsschuldenkrise im November 2011.

Auslöser der Verkäufe sind anhaltende Zweifel an der Sanierung der öffentlichen Finanzen in Paris sowie innenpolitische Spannungen. Für das bevorstehende Wochenende bereitet sich die Regierung auf erneute Straßenproteste vor und kündigte neben zusätzlichen Polizeikräften auch den Einsatz von Militär an. Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatspapiere stieg um 11,5 Basispunkte auf 5,11 Prozent – ein Niveau, das zuletzt im Juli 2002 erreicht worden war.

Selbst eine unerwartete Stimmungsaufhellung in der französischen Industrie vermochte den Abgabedruck nicht zu stoppen. Neben den Schwierigkeiten bei der Verabschiedung eines Haushalts lastet auch die politische Unsicherheit vor den anstehenden Präsidentschaftswahlen auf den Kursen.

Zinsdruck erfasst weitere europäische Staaten

Deutsche Bundesanleihen profitierten derweil von der Flucht in verlässliche Werte. Die Rendite der zehnjährigen Bunds sank um vier Basispunkte auf 3,38 Prozent. Bei den Schuldtiteln anderer Länder der Währungsunion weiteten sich die Abstände dagegen spürbar aus. Belgiens Renditeaufschlag kletterte auf 111,28 Basispunkte und damit auf den höchsten Stand seit 2012.

In Italien stieg der Zinsabstand gegenüber Bunds auf 123 Basispunkte, während Griechenland einen Spread von 102 Basispunkten verzeichnete. Marktbeobachter verweisen zwar darauf, dass europäische Institutionen heute krisenfester aufgestellt sind als vor 15 Jahren, sehen im wieder erstarkenden Euroskeptismus jedoch eine Hürde für gemeinsame Gegenmaßnahmen.

Verstärkt wird die Belastung durch die Entwicklung am Rohstoffmarkt. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg am Donnerstag über die Marke von 112 Dollar je Barrel. Verteuerte Energie schürt die Inflationssorgen und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik, was hoch verschuldete Staaten vor zusätzliche Refinanzierungsprobleme stellt.

An den Geldmärkten zogen die Erwartungen an den weiteren Zinspfad entsprechend an. Für den Leitzins der Europäischen Zentralbank, der derzeit bei 2,50 Prozent liegt, rechnen die Märkte bis Ende 2027 mit einem Anstieg auf 3,26 Prozent. Für die Dezember-Sitzung liegt die Zinserwartung bereits bei 2,73 Prozent.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.