Ein spürbarer Anstieg der französischen Refinanzierungskosten schlägt auf die Gemeinschaftswährung durch. Der Euro fiel am Montag auf ein 17-Monats-Tief von unter 1,12 Dollar, weil Investoren französische Staatspapiere abstoßen und in sichere Bundesanleihen umschichten. Dahinter steht die Furcht vor einer politischen Blockade des französischen Haushalts für 2027 in einem tief gespaltenen Parlament.
Eskalation an den europäischen Anleihemärkten
An den europäischen Rentenmärkten wächst die Nervosität. Der Zinsaufschlag für zehnjährige französische Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen verzeichnete zuletzt den stärksten wöchentlichen Anstieg seit Jahrzehnten. Er notiert damit auf dem höchsten Niveau seit der europäischen Schuldenkrise.
Parallel dazu gerieten auch andere Länder unter Druck. Der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Papieren kletterte auf knapp 130 Basispunkte. Das markiert den stärksten Zuwachs innerhalb einer Woche seit der Coronakrise.
Investoren fürchten ein Übergreifen der französischen Haushaltsnöte auf den gesamten Euroraum. In Paris versucht die Regierung vergeblich, ein Sparbudget durchzusetzen, um das Rekorddefizit vor der nächsten Präsidentschaftswahl einzudämmen. Politische Unsicherheiten in Spanien nach der Ausrufung von Neuwahlen sowie in Deutschland belasten das Sentiment zusätzlich.
Währungsmarkt reagiert empfindlich auf Renditedifferenzen
Die wachsende Kluft zwischen Kern- und Peripherieländern trifft den Euro direkt. Strategen von Bank of America schätzen, dass jede weitere Ausweitung des französisch-deutschen Spreads um zehn Basispunkte die Währung um 0,4 Prozent drückt. Händler an den Terminmärkten stellen sich bereits auf anhaltende Verluste ein.
Der Abwärtsdruck beschränkt sich nicht auf das Währungspaar zum Dollar. Gegenüber dem japanischen Yen verlor der Euro im September fast vier Prozent an Wert. Auch Schweizer Franken und britisches Pfund legten deutlich zu. Analysten halten einen weiteren Rückgang bis auf 1,10 Dollar für möglich.
Warnung vor Grenzen der Krisenpolitik
Die Turbulenzen rufen auch internationale Währungshüter auf den Plan. Der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Pablo Hernández de Cos, warnte in Wien vor den Risiken einer dauerhaft hohen Staatsverschuldung. Ausufernde Defizite könnten es Notenbanken erschweren, zwischen reinen Marktstörungen und berechtigten Bonitätssorgen der Anleger zu unterscheiden.
Zwar verfügt die Europäische Zentralbank über ein Schutzinstrument, um bei unbegründeten Verwerfungen unbegrenzt Anleihen betroffener Staaten zu kaufen. Allerdings könnte eine solche Intervention bei hoher Staatsverschuldung als verdeckte Haushaltsfinanzierung wahrgenommen werden.
Ein konkreter Belastungstest droht, falls die Haushaltsberatungen in Paris scheitern und die Risikoprämien weiter steigen. Ein wichtiges Signal für die Geldpolitik folgt am Donnerstag mit dem Protokoll der jüngsten EZB-Ratssitzung, das Aufschluss über die Krisenbereitschaft der Notenbank geben wird.


