Französische Staatsanleihen stehen an den europäischen Rentenmärkten spürbar unter Verkaufsdruck. Auslöser sind gewaltsame Massenproteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und wachsende Zweifel an der Haushaltsdisziplin in Paris. Der Zinsaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich zu Wochenbeginn auf 1,48 Prozentpunkte aus.
Die Rendite zehnjähriger französischer Staatstitel kletterte am Montagnachmittag auf 4,93 Prozent. Zeitgleich zogen die Renditen quer durch Europa an. Europaweit belasten anhaltende Sorgen vor einer ölpreisbedingten Inflation im Zuge des Iran-Kriegs das Marktgeschehen an den Anleihemärkten.
Auch deutsche Papiere gaben nach. Der richtungweisende Euro-Bund-Future fiel um 0,34 Prozent auf 121,10 Punkte, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 3,46 Prozent zulegte. Die Verkäufe französischer Papiere fielen jedoch ungleich deutlicher aus.
Proteste und strukturelle Haushaltssorgen
Hinter dem Vertrauensverlust steht eine zugespitzte innenpolitische Lage. Am Wochenende demonstrierten rund eine halbe Million Menschen in mehreren französischen Städten gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Die Proteste mündeten vielerorts in Gewalt und Plünderungen. Marktbeobachter sehen das Land vor einem Bündel aus sozialer Krise, Teuerung und einer gelähmten Exekutive, die kaum noch Handlungsspielraum besitzt.
Erschwerend kommt die strukturelle Haushaltslage hinzu. Frankreichs Staatsschulden belaufen sich auf fast 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist das Doppelte dessen, was der Maastricht-Vertrag als Obergrenze vorsieht. Im Vergleich dazu steht Deutschlands Schuldenstand bei 66 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone verteuert sich die Neuverschuldung damit spürbar. Solange die sozialen Spannungen auf den Straßen anhalten und der Haushalt ungelöst bleibt, lastet dieser Risikoaufschlag weiter auf den Pariser Anleihen.


