Liebe Leserinnen und Leser,
zwei völlig verschiedene Nachrichten haben heute die Märkte bewegt – und sie erzählen zusammen eine Geschichte über das, was Anleger gerade am meisten wollen: Sicherheit und Wachstum gleichzeitig. Der DAX kletterte zurück über 24.000 Punkte, weil Hoffnung auf ein Ende des US-Iran-Kriegs die Ölpreise unter 100 Dollar drückte. Und Amazon schluckte für fast 12 Milliarden Dollar einen Satellitenbetreiber, der bislang vor allem als Apple-Zulieferer bekannt war. Was das miteinander verbindet? Beide Nachrichten zeigen, wie tief Geopolitik und Technologie heute ineinandergreifen. Dazu: Heidelberger Druck als Verteidigungsaktie, Bitcoin über 74.000 Dollar – und ein Blick auf ASML, das morgen Zahlen vorlegt.
Der Ölpreis-Effekt: Wie Friedenshoffnung den DAX beflügelt
Brent-Öl unter 100 Dollar – das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber der Schlüssel zum Verständnis des heutigen Handelstages. Nachdem die direkten US-Iran-Gespräche am Wochenende in Islamabad ohne Ergebnis geendet hatten, sprach US-Vizepräsident JD Vance heute von „großen Fortschritten“ in einer neuen Gesprächsrunde. Gleichzeitig signalisierte Israel erstmals seit Jahrzehnten die Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit der libanesischen Regierung.
Für Anleger ist der Mechanismus dahinter entscheidend: Ein mögliches Friedensabkommen würde die Straße von Hormus wieder öffnen – jenen Schifffahrtsweg, durch den rund 20 Prozent des weltweiten Öls fließen. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners brachte es heute auf den Punkt: Dann könnte eine langsame Normalisierung der globalen Wirtschaft in Gang kommen. Die Ölpreise fielen auf rund 97 bis 98 Dollar je Barrel, was die Inflationssorgen spürbar dämpfte.
Der DAX schloss 1,3 Prozent höher bei 24.044 Punkten. Besonders gefragt: Bankwerte wie Deutsche Bank (+3,8%) und Commerzbank (+2,5%), die von sinkenden Anleiherenditen und der Hoffnung auf Zinssenkungen profitierten. Reiseaktien zogen ebenfalls an – Tui knapp 2 Prozent, Lufthansa sogar 3,1 Prozent, obwohl der Streik der Piloten weiterläuft. Verlierer des Tages waren defensive Titel wie Deutsche Telekom mit 1,3 Prozent Minus.
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Autobranche: Solide Signale aus dem Maschinenraum
Porsche und Mercedes haben heute vor der offiziellen Schweigeperiode sogenannte Pre-Close Calls abgehalten – kurze Einblicke in die Quartalsentwicklung, bevor die echten Zahlen kommen. Das Ergebnis: besser als befürchtet, aber nicht ohne Schattenseiten.
Porsche-Aktie sprang um 4,1 Prozent auf 43,20 Euro und überwand dabei wieder die viel beachtete 200-Tage-Linie. Barclays-Analyst Henning Cosman rechnet mit einem soliden Quartal, erwartet die operative Marge am oberen Ende der Zielspanne. Der Haken: Die strategischen Neuausrichtungskosten von rund 100 Millionen Euro im ersten Quartal sind ungewöhnlich gering im Vergleich zu den für das Gesamtjahr erwarteten 800 bis 900 Millionen Euro. Heißt: Das Gros der Belastungen kommt erst noch.
Bei Mercedes sieht es ähnlich aus – Barclays sieht das erste Quartal als Tief des Jahres, Jefferies lobte die Transportersparte. Oddo BHF blieb skeptisch und senkte das Kursziel auf 42 Euro, bleibt bei „Underperform“. BMW hingegen enttäuschte mit schwachen Absatzzahlen in China und bei Elektroautos – die Aktie gab 1,7 Prozent nach. Continental profitierte von einer Barclays-Hochstufung auf „Overweight“ und legte 1,9 Prozent zu.
Amazon greift nach den Sternen – und Apple hält die Hand
Fast 11,6 Milliarden Dollar für einen Satellitenbetreiber, den die meisten Menschen noch nie gehört haben: Amazon kauft Globalstar. Auf den ersten Blick klingt das nach einem teuren Nischendeal. Auf den zweiten ist es ein strategischer Schachzug gegen Elon Musks Starlink – und gleichzeitig eine Allianz mit Apple.
Globalstar betreibt ein Netz von rund zwei Dutzend Satelliten im niedrigen Erdorbit, spezialisiert auf direkte Verbindungen zu Mobilgeräten ohne Mobilfunkmast. Genau das braucht Amazon für sein wachsendes Satellitennetzwerk namens Amazon Leo. Durch die Übernahme kann Amazon ab 2028 Direct-to-Device-Dienste anbieten – also Satellitenkonnektivität direkt aufs Smartphone. Starlink hat aktuell über neun Millionen Nutzer und einen massiven Vorsprung. Amazon hat derzeit etwas über 200 Satelliten im Orbit, plant aber rund 3.200 bis 2029.
Der besondere Clou: Apple hält 20 Prozent an Globalstar und hatte diese Beteiligung 2024 für 1,5 Milliarden Dollar erworben. Statt zum Hindernis zu werden, wurde Apple zum Partner. Amazon und Apple haben eine separate Vereinbarung unterzeichnet: Über Amazon Leo sollen künftig Satellitenfunktionen für iPhone und Apple Watch laufen – Emergency SOS, Find My, Messages via Satellite. Amazon-Aktie stieg um rund 2,5 Prozent, Globalstar legte über 8 Prozent zu.
Heidelberger Druck: Wenn ein Druckmaschinen-Hersteller zur Verteidigungsaktie wird
Über 18 Prozent Kursgewinn an einem einzigen Tag – für eine Aktie, die noch bei 1,64 Euro notiert. Heidelberger Druckmaschinen ist eigentlich bekannt für Offsetdruckmaschinen, kämpft seit Jahren mit dem Rückgang des klassischen Druckgeschäfts und ist entsprechend beliebt bei Leerverkäufern. Heute aber wurde das Joint Venture Onberg Autonomous Systems offiziell in Brandenburg an der Havel in Betrieb genommen.
Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-amerikanisch-israelischen Partner Ondas Autonomous Systems entwickelt Systeme zur Drohnenabwehr – für Flughäfen, Bundeswehr-Standorte, Energieversorger. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke war persönlich vor Ort, der israelische Botschafter Ron Prosor ebenfalls. Die politische Symbolik war kaum zu übersehen.
Analyst Thomas Wissler von MWB hatte bereits im März eine Kaufempfehlung ausgegeben und den adressierbaren Markt als „beträchtlich“ bezeichnet – allein in Deutschland gibt es rund 2.000 kritische Infrastrukturstandorte. Der heutige Kurssprung wurde zusätzlich durch Eindeckungen von Leerverkäufern verstärkt: Wer auf fallende Kurse gewettet hatte, musste bei steigendem Kurs Aktien kaufen, um Verluste zu begrenzen. Ein klassischer Short Squeeze. Ob das neue Geschäftsfeld die strukturellen Probleme des Kerngeschäfts langfristig kompensieren kann, bleibt offen.
Bitcoin über 74.000 Dollar: Geopolitik als Rückenwind
Bitcoin notierte heute zeitweise bei über 74.800 Dollar – ein Plus von rund 2 bis 5 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Treiber ist derselbe wie am Aktienmarkt: sinkende Ölpreise, nachlassende Inflationssorgen, Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Nahen Osten. Wenn Risiko wieder salonfähig wird, fließt Kapital in Krypto.
Strategy Inc. – das Unternehmen, das früher als MicroStrategy bekannt war – meldete heute einen weiteren Bitcoin-Kauf: 4.871 Bitcoin für rund 330 Millionen Dollar, erworben zwischen dem 1. und 5. April zu einem Durchschnittspreis von 67.718 Dollar. Der Gesamtbestand liegt damit bei 766.970 Bitcoin. Die Aktie stieg um rund 6 Prozent. Analysten sehen im Kurs ein Kursziel von durchschnittlich rund 368 Dollar – über 177 Prozent über dem aktuellen Niveau. Das spiegelt weniger eine Bewertung des Unternehmens wider als eine Wette auf Bitcoin selbst.
Für deutsche Anleger ist relevant: Der Euro stärkte sich heute auf 1,1810 Dollar, den höchsten Stand seit Ende Februar. Das macht US-Dollar-denominierte Assets wie Bitcoin rechnerisch etwas günstiger, dämpft aber gleichzeitig die Euro-Rendite für Anleger, die in Dollar investiert haben.
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Evotec und ASML: Zwei Signale aus dem Tech-Sektor
Evotec sprang heute fast 15 Prozent – weil Analysten von Berenberg das Unternehmen als KI-Gewinner hervorhoben. Die These: KI-Unternehmen suchen erfahrene Partner, um ihre Biopharma-Produkte in der realen Welt zu validieren. Evotec, als Auftragsforschungsunternehmen mit jahrzehntelanger Erfahrung, könnte genau diese Brücke sein. Das ist eine interessante Neubewertungslogik – weg vom reinen Biotech-Label, hin zum KI-Infrastruktur-Spieler.
Morgen wird ASML seine Quartalszahlen vorlegen. Die Erwartungen sind hoch: Analysten rechnen mit einem Umsatz nahe dem oberen Ende der eigenen Prognose von 8,2 bis 8,9 Milliarden Euro. ASML ist der einzige Hersteller von EUV-Lithographieanlagen, ohne die die fortschrittlichsten KI-Chips nicht produziert werden können. Die Aktie hat seit Jahresbeginn über 40 Prozent zugelegt. Spannend wird, ob das Unternehmen seinen Jahresausblick anhebt – und wie es sich zu möglichen neuen US-Exportbeschränkungen nach China äußert. China machte zuletzt rund ein Drittel des Umsatzes aus, soll aber auf etwa 20 Prozent sinken.
Was morgen zählt
Die wichtigsten Termine der nächsten 24 Stunden: ASML veröffentlicht morgen früh seine Quartalszahlen – das wird der Gradmesser für den gesamten europäischen Tech-Sektor. Gleichzeitig geht der Lufthansa-Streik in die nächste Runde: Ab Mittwoch legen auch die Flugbegleiter die Arbeit nieder, mitten in den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Lufthansa-Gründung. Und im Nahen Osten läuft die Waffenruhe in rund einer Woche ab – die Märkte preisen gerade eine Einigung ein, die noch nicht sicher ist.
Gold notierte heute bei rund 4.803 Dollar je Feinunze – ein weiteres Rekordhoch. Dass Anleger gleichzeitig in Risikoanlagen und in Gold strömen, ist eigentlich ein Widerspruch. Er zeigt, dass die Unsicherheit trotz aller Hoffnung nicht verschwunden ist. Vielleicht ist das die ehrlichste Botschaft des heutigen Tages.
Bis morgen,
Andreas Sommer


