Liebe Leserinnen und Leser,
Trump sagt, der Krieg im Iran könnte in zwei bis drei Wochen vorbei sein – und die Börsen feiern. DAX plus 2,7 Prozent, Nikkei plus 5,2 Prozent, Airline-Aktien im Höhenflug. Klingt nach Entwarnung. Doch wer genauer hinschaut, sieht: Öl kostet noch immer über 100 Dollar, die Straße von Hormus ist weiterhin blockiert, und Trumps Rede zum Kriegsstand war für heute Nacht um 3 Uhr angesetzt – ohne dass irgendjemand weiß, was darin steht. Heute dreht sich alles um die Frage, was hinter dieser Erleichterungsrally wirklich steckt. Außerdem: Eli Lilly schlägt Novo Nordisk mit einer neuen Pille – oder doch nicht? Und Bitcoin springt an, während ein Quantencomputer-Schatten über dem Krypto-Markt liegt.
Der Frieden, den niemand besiegelt hat
Der Auslöser für die heutige Rally ist denkbar simpel: Trump sagte, die USA könnten den Iran in zwei bis drei Wochen verlassen. Das reichte, um Europas Börsen in Gang zu setzen. Der Stoxx 600 legte 2,5 Prozent zu, der DAX schloss bei 23.299 Punkten – ein Plus von 2,7 Prozent. Im März hatte der deutsche Leitindex noch rund zehn Prozent verloren.
Doch Marktstratege Andreas Lipkow von CMC Markets bremst: Die Lage nach dem Krieg sei schlimmer als davor, und Europa trage die Hauptlast – als unbeteiligter Kontinent mit vollem Ölpreisschock. Entscheidend bleibt, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Analysten von ING schätzen, dass erst ein konkreter Zeitplan dafür den Dollar wirklich schwächen und Anleiherenditen dauerhaft senken würde. Bis dahin bleibt die Erholung fragil.
Was die Rally trotzdem trägt: Sinkende Ölpreise bedeuten sinkende Inflationserwartungen – und damit weniger Druck auf Fed und EZB, die Zinsen weiter zu erhöhen. Genau das hat heute Banken, Technologiewerte und Immobilientitel angetrieben. Deutsche Bank und Commerzbank legten je rund fünf Prozent zu, Infineon fast sechs Prozent, Vonovia 3,4 Prozent.
Dass Infineon heute zu den stärksten DAX-Werten zählt, ist kein Zufall – der Halbleitersektor steht strukturell vor einem der größten Investitionszyklen seiner Geschichte. Genau diesen Zusammenhang analysiert Tech-Experte Bernd Wünsche im Live-Webinar „Sonder-Konferenz: Das globale Chip-Wettrüsten 2026 – DIE NEUE NVIDIA“ am 02.04.2026 um 17:00 Uhr. Er zeigt, wie der geopolitische Chip-Konflikt zwischen den USA und China – befeuert durch staatliche Investitionsprogramme in Höhe von hunderten Milliarden Dollar – konkrete Anlagechancen im Halbleitersektor eröffnet. Im Fokus steht dabei ein Unternehmen, das Bernd Wünsche und sein Team als aussichtsreichsten Profiteur dieses Megatrends identifiziert haben und das bislang von vielen Marktteilnehmern übersehen wird. Wer verstehen will, warum der Chip-Sektor weit mehr ist als eine kurzfristige Rally, sollte sich diesen Termin freihalten. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Rheinmetall: Technische Gegenbewegung oder echter Neubeginn?
Die Aktie des Düsseldorfer Rüstungskonzerns führte die DAX-Gewinnerliste mit einem Plus von knapp zehn Prozent an und schloss bei 1.582 Euro. Zwei Katalysatoren trieben den Kurs: Goldman Sachs setzte das Papier auf die „European Conviction List“ – die Liste der überzeugendsten europäischen Investments – mit einem Kursziel von 2.300 Euro und einem „Buy“-Rating. Analyst Sam Burgess sieht Rheinmetall als klaren Profiteur des europäischen Aufrüstungszyklus, der nach drei Jahrzehnten vernachlässigter Verteidigungsausgaben strukturell verankert sei.
Gleichzeitig startete die Citigroup die Aktie mit „Neutral“ und einem Kursziel von 1.480 Euro – deutlich darunter. Die Begründung: Die Nachfrage nach Waffen und Munition bewege sich auf einem nicht dauerhaft haltbaren Niveau. Optimistischer zeigte sich Citi beim U-Boot-Bauer TKMS, den sie auf „Buy“ hochstufte. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 14,6 Prozent.
Das Bild bleibt also gespalten. Rheinmetall hat sich seit dem Elf-Monats-Tief zu Wochenbeginn um rund 19 Prozent erholt – steht aber noch weit vom Rekordhoch bei 2.008 Euro entfernt. Die Q1-Zahlen am 7. Mai werden zeigen, ob die operative Substanz die hohe Bewertung trägt.
Lilly gegen Novo: Das Pille-Duell beginnt
Während Europa auf den Nahen Osten schaut, hat sich in der Pharmawelt gerade ein Zweikampf entschieden – zumindest vorläufig. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Eli Lillys Abnehmpille „Foundayo“ zugelassen. Ab dem 6. April ist sie in den USA erhältlich, ab 149 Dollar pro Monat für Selbstzahler oder 25 Dollar mit Krankenversicherung.
Der Markt für GLP-1-Medikamente – also Mittel gegen Übergewicht und Diabetes – wird auf über 70 Milliarden Dollar geschätzt. Analysten trauen Foundayo bis 2030 einen weltweiten Umsatz von 21 Milliarden Dollar zu. Zum Vergleich: Der Wegovy-Pille von Novo Nordisk werden nur vier Milliarden Dollar zugetraut.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Wirkung, sondern in der Einnahme. Novos Pille muss nüchtern geschluckt werden, mit 30 Minuten Wartezeit danach. Lillys Variante kann jederzeit genommen werden – ohne Einschränkungen. Das klingt nach einem kleinen Detail, ist aber für Millionen potenzieller Nutzer ein echter Unterschied. Lilly hat laut eigenen Angaben bereits einen Pillenvorrat im Wert von 1,5 Milliarden Dollar angelegt – ein klares Signal, dass das Unternehmen mit enormer Nachfrage rechnet. Für Anleger, die den GLP-1-Markt beobachten: Der Zweikampf ist eröffnet, und Lilly kommt diesmal mit Rückenwind.
Airlines im Aufwind – aber der Weg ist weit
Kaum eine Branche hat den Iran-Krieg so stark gespürt wie der Luftverkehr. Gestiegene Kerosinpreise, gesperrte Lufträume, eingeschränkte Routen – die Folgen waren massiv. Entsprechend heftig fiel die Erleichterungsrally heute aus: Lufthansa legte acht Prozent zu, Air France-KLM 8,9 Prozent.
Gleichzeitig beschloss das Bundeskabinett eine Senkung der deutschen Luftverkehrsteuer ab Juli – um 2,50 bis 11,40 Euro je nach Streckenlänge. Ryanair kündigte daraufhin an, geplante Kapazitätskürzungen rückgängig zu machen und 300.000 zusätzliche Sitzplätze anzubieten. Günstigere Tickets? Eher nicht. Solange der Ölpreis über 100 Dollar bleibt, verpufft die Steuersenkung im Kerosinpreis. Der Flughafenverband ADV kritisierte zudem, dass Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin deutlich teurer bleibt: Ein Abflug aus Deutschland kostet regulatorisch durchschnittlich 4.531 Euro – in Europa sonst nur 2.326 Euro.
Bitcoin: Friedenshoffnung trifft Quantenangst
Der Kryptomarkt hat heute mitgefeiert. Bitcoin stieg auf rund 68.800 Dollar, die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen kletterte um 2,7 Prozent auf 2,36 Billionen Dollar. Der schwächere Dollar half, ebenso wie die allgemein gestiegene Risikobereitschaft.
Doch das Sentiment bleibt angeschlagen. Der Fear & Greed Index von CoinMarketCap zeigt weiterhin „Fear“ – bei einem Wert von 32. Bitcoin liegt im bisherigen Jahresverlauf 2026 rund 21,6 Prozent im Minus und ist noch 46 Prozent vom Allzeithoch bei 126.198 Dollar entfernt, das im Oktober 2025 markiert wurde. Hinzu kommt eine neue Unsicherheitsquelle: Ein Forschungspapier von Google Quantum AI hat potenzielle Sicherheitslücken bei bestimmten Kryptowährungen durch Fortschritte beim Quantencomputing identifiziert. Das Thema ist nicht neu, aber es kehrt regelmäßig zurück – und jedes Mal mit etwas mehr Substanz.
Auf institutioneller Seite fließt weiterhin Kapital: Bitcoin-Spot-ETFs in den USA verzeichneten gestern Nettomittelzuflüsse von 118 Millionen Dollar, davon allein 98 Millionen in den iShares Bitcoin Trust von BlackRock. Das zeigt: Institutionelle Investoren nutzen Rücksetzer zum Einstieg.
Franklin Templeton kauft sich tiefer in Krypto ein
Ein strukturelles Signal für die weitere Institutionalisierung des Kryptomarktes: Franklin Templeton, einer der größten Vermögensverwalter der Welt mit über 1,7 Billionen Dollar unter Verwaltung, übernimmt die Krypto-Investmentfirma 250 Digital – inklusive aller liquiden Krypto-Strategien, die bisher von CoinFund gemanagt wurden. Die neue Einheit heißt Franklin Crypto, geleitet wird sie von Christopher Perkins als Chef und Seth Ginns als CIO.
Für den deutschen Anleger ist das relevant: Wenn ein Haus wie Franklin Templeton seinen Krypto-Arm gezielt ausbaut, signalisiert das, dass digitale Assets als Anlageklasse in klassischen Portfolios weiter an Legitimität gewinnen. Die Bezahlung erfolgt übrigens teilweise in BENJI-Token – dem tokenisierten US-Geldmarktfonds von Franklin Templeton. Blockchain trifft traditionelles Asset Management.
Was jetzt zählt
Die entscheidende Variable der kommenden Tage ist Trumps Rede, die in der vergangenen Nacht stattfand. Was er gesagt hat, wird die Märkte am Donnerstag bewegen – in die eine oder andere Richtung. Daneben stehen Teslas Auslieferungszahlen für Q1 an, die zeigen werden, wie stark die chinesische Konkurrenz den US-Pionier unter Druck setzt: NIO lieferte im März 136 Prozent mehr Fahrzeuge aus als im Vorjahr, Xpeng steigerte seinen Absatz gegenüber dem Vormonat um 80 Prozent.
Gold bleibt interessant: Die Feinunze stieg heute auf über 4.785 Dollar – der vierte Gewinntag in Folge. Sinkende Anleiherenditen und ein schwächerer Dollar sind klassische Treiber. Solange die Straße von Hormus nicht wirklich offen ist, bleibt das Edelmetall ein Sicherheitsanker.
Die heutige Rally war real. Ob sie nachhaltig ist, entscheidet sich nicht an der Börse – sondern im Persischen Golf.
Bis morgen,
Andreas Sommer


